Dienstag, 8. Februar 2011

Hurra, ich bin im Priesterrat ...

... na ja, Hurra ist vielleicht die falsche Reaktion; wie auch immer. Die Wahl war im September, möglicherweise haben einige Dekanate sich noch bis zum Oktober Zeit gelassen, aber bis jetzt wurde keine konstituierende Sitzung zur Welt gebracht. Ich frage mich nur: Was hält der Bischof oder Nachgeordnete von einem Gremium, dass sie nicht einberufen? (Übrigens vorher hatte ich Gremium mit einem K geschrieben: Kremium - ein lateinisch freudscher Verschreiber????)

Montag, 24. Jänner 2011

Darabos sollte gehen ...

... und zwar nicht wegen seines Eintretens für die Abschaffung der Wehrpflicht. Er ist Politiker und als solcher kann er mal eintreten wofür er im Rahmen der Verfassung eintreten will. Aber seine Auslassungen gegenüber Generalstäblern, die ihm öffentlich in dieser politischen Causa widersprechen, kann so nicht stehen bleiben. Anordnungen im Rahmen derzeitiger Rechtslage kann er als Mitglied der exekutiven Gewalt im Staat sehr wohl anordnen, aber ein Maulkorb bezüglich politischer Diskussionen unter Rückgriff auf ministerielle Befehls- und Anordnungskompetenz kommt meiner Meinung nach schon Amtsmissbrauch nahe.

Montag, 10. Jänner 2011

Bildungspolitik als Abtausch abgelutschter Schlagwörter

Die ÖVP hat ein Bildungskonzept vorgelegt. Ob da alles durch und durch vernünftig ist, darüber lässt es sich vortrefflich streiten. Wobei mir aber die Galle hochkommt, ist das verbale zensieren mit Schlagworten, wie es von anderen Parteien geübt wird. Warum macht sich keiner der Kritiker mal die Mühe, die Vorschläge von der Sache her zu zerpflücken.
Wie es jetzt läuft, wird nur mit ideologischen Schlagworten herumgeworfen.
Ein paar Fragen meinerseits: Was ist so schlecht an einer ausgebauten Bildungsberatung am Ende der Pflichtschule (oder gemeinsamen Schule der 6 - 14/15/16jährigen) - von mir aus auch als Eignungsprüfung. Ich wäre jedenfalls - rückblickend - froh gewesen, wenn mir die 1 1/2 Jahre HTL durch eine entsprechend gediegene Eignungsprüfung erspart geblieben wäre - mein KV in der Unterstufe hat es mir prophezeit: "Gruawa fia an Technika bist du zu schusselig und zu schlampig!" - interessiert hat mich die E-Technik, in den Sprachen war ich seinerzeit schlecht, Mathe und viel mehr die Physik sind mir irgendwie gelegen - also hab ich ihm nicht geglaubt. Reumütig ging es dann noch während des 1. Semesters der 2. Klasse HTL zurück an das gute alte Gymnasium.
Aber das nur so als kleine Anekdote
Aber nun zurück: Ich werde den Verdacht nicht los, dass aufgrund der Lautstärke der Kritiker, die Vorschläge so schlecht nicht sein können ... andernfalls würde ich mehr kühle Sachlichkeit und echten Diskurs vorfinden. Nur Idioten schimpfen andere mangels eigener Expertise Idioten ...

Sonntag, 9. Jänner 2011

Was ist Gerechtigkeit

Ein paar Splitter meiner heutigen Predigt:
  • Gerechtigkeit: ein schillernder Begriff; der Bundeskanzler fordert Steuergerechtigkeit angesichts der "Aufräumarbeiten" zur Wirtschaftskrise - die Verursacher sollen zahlen. Nur wer ist denn Verursacher? Die Häuselkäufer in Amerika, die mit kreativen Finanzierungsvorschlägen kleiner Bankangestellter sich ihren Lebenstraum erfüllen wollten, oder die Fondsmanager, die die Gelder der privaten Pensionsfonds möglichst ertragreich anlegen sollen, die Finanzminister die Interesse hatten, auch nicht realisierte Buchgewinne zu versteuern und dafür den Firmen gestattete auch fiktive Werte als Aktiva anzugeben ... - jedenfalls komplizierter als so manches kolportierte Schlagwort.

    Oder: Wer hat noch nicht über Ungerechtigkeit geklagt? Die Kinder motzen über ungerechte Lehrer und nicht wenige Erwachsene werden nicht müde über erlittenes Unrecht zu klagen. Meist läuft es aber darauf hinaus, dass als ungerecht bezeichnet wird, das was gerade mir nicht recht ist. Über so manches Privileg, von dem man selbst profitiert klagen die Wenigsten, wenn es auch andere als ungerecht empfinden mögen.
  • Gibt es überhaupt Gerechtigkeit? So eine wirklich objektive, reine, neutrale Gerechtigkeit, die wir im Diskurs als ein vor uns liegende Wahrheit entdecken können - eine Gerechtigkeit, die aber immer schon, wenn auch verborgen, vorliegt? Möglicherweise, wenn man es so haben will, eine göttliche Gerechtigkeit als ein Etwas?

    Das möchte ich hier mal so verneinen: Es gibt keine absolut stehende, in sich ruhende wahre Gerechtigkeit.
  • Gerechtigkeit ist ein personales Geschehen: Gerechtigkeit kann nur in gegenseitigem Respekt und im unbedingten Anerkennen des anderen auf gleicher Augenhöhe geschehen. Sobald in irgendeiner Form ein Gefälle zwischen den Partnern, Neid, Anspruchsdenken Raum greift, wird Gerechtigkeit zerstört. Dann geht es nur noch um den Abtausch mehr oder weniger großer Gemeinheiten; dann wird Gerechtigkeit reduziert auf das Aushandeln gegenseitigen gesellschaftlichen Minimalkonsenses. Was letztlich zerstörerisch und zersetzend auf menschliches Zusammenleben wirkt.
     
  • Gerechtigkeit Gottes: Die Gerechtigkeit Gottes, von der heute in der AT Lesung und im Evangelium die Rede ist, vollzieht sich im Hören auf das Wort Gottes. Gerade im Evangelium fällt auf, dass Jesus und Johannes in einem Dialog der Gerechtigkeit Gottes genügen wollen. Wobei Gerechtigkeit Gottes sich gerade im Tun des Willens Gottes erfüllt. An die Lesung anknüpfend ist zu bemerken, dass Gerechtigkeit Gottes geradezu jeglicher Gewalt abschwört (bricht nicht das geknickte Rohr, löscht den glimmenden Docht nicht aus) - vielmehr sucht "der Gerechte" sozusagen auch mit dem Unvollständigen und Unfertigen im Dialog zu bleiben.
  • So folgt für uns: Gerechtigkeit geschieht gerade dort, wo Menschen sich in Wertschätzung, Achtung, Respekt und Anerkenntnis der jeweiligen Lebenswirklichkeit begegnen.

Sonntag, 28. November 2010

Abstimmen gegen den Rechtsstaat

Die Schweizer haben abgestimmt - automatisches Ausschaffen von verurteilten Delinquenten nach bestimmten Delikten. Nicht die Ausschaffung ist das Problem, sondern das "automatisch". Rechtsstaatlichkeit definiert sich daher, dass gerade NICHT bestimmte schwerwiegende Maßnahmen ohne konkretem rechtsstaatlichen Verfahren und vor allem Anhörung der betreffenden Person abgewickelt werden.
Im Grunde genommen halte ich schon das Abstimmen über eine Materie, wo eine (entsprechend aufgewiegelte?) Mehrheit über eine Minderheit bestimmt für äußerst bedenklich. Mit entsprechender Kampagnisierung sollte es wahrscheinlich kein Problem sein, per Plebiszit Gesetze zu ermöglichen, die alle möglichen Minderheiten in ihren Handlungsspielraum beeinträchtigen könnten - Sexverbot für Schwule, Verbot öffentlich sich religiös zu bekennen, Berufsverbote für orthodoxe Juden ... - Ich brauch mir nur im Wirtshaus anzuhören, wogegen die Leute so sind: da ist es nicht mehr weit zu den Nürnberger Rassegesetzen.
Wehret den Anfängen

Montag, 22. November 2010

Hurra - der Papst erlaubt Kondome!!!!

Also irgendwie nervt mich das ganze Getue um den "Arbeitsanzug für den Herrn in des Mannes Leibesmitte" schön langsam. Wen, außer einer Hand voll sich selbst als die einzig wahren Katholiken sich wähnende, kümmert sich wirklich noch um vatikanische Äußerungen zum Thema Sexualität und Empfängnisverhütung? Ich finde hier ist weder schaurig wohliges Skandalisieren angesagt ("der Papst fördert Aids") noch ein Hochjubeln einer im Grunde genommen hahnebüchenen Feststellung (wie es jetzt - reichlich unverstanden von der (ver)öffentlich(t)en Meinung -geschieht).

Ich bin nun sicher kein Spezialist in Sachen Moraltheologie, aber was die letzten beiden Päpste umtreibt ist die letztendlich die Frage nach der Wahrheit, und wie diese verstanden werden soll. Nicht vorgeben zu wollen, ein Experte zu sein, stelle ich mal in den Raum, dass vor allem Benedikt 16 eher stark von Platos Höhlengleichnis inspiriert zu sein scheint. Die Wahrheit liegt immer schon vor und ist grundsätzlich autonom vom Menschen erkennbar. So weit und so gut gehe ich da ja noch irgendwie mit, aber im Kirchendeutsch (oder Kirchenlatein) scheint es so zu sein, dass dem Papst auf dem Weg der Erkenntnis ein besonderer Vorsprung zugestanden wird (ordentliches und außerordentliches Lehramt - letzteres auch unter dem Begriff "Unfehlbarkeit" bekannt) - dieser Vorsprung wird aber nicht nur graduell verstanden sondern auch substantiell: sprich, der Papst stellt nicht nur etwas pointiert eine Erkenntnis zur Diskussion, sondern er beendet die Diskussion im Moment, wo er sein Lehramt wahrnimmt - dass einzige was dann noch überbleibt ist mehr oder weniger sophistisches Sprachspielen von Theologen - je abgehobener lehramtliche Verkündigung desto mehr Sophismus - bzw. unreflektiert devotes Nachbeten durch die schon oben erwähnten, sich als die einzig wahren Katholiken wähnenden.

Am liebsten wäre mir, wenn kirchliche Vertreter in den nächsten 20 Jahren sich ein Schweigen in Sachen Sexualität verordnen würden - zumindest wenn es um so praktische Dinge geht wie Kondome oder Pille. Unsere Glaubenstradition hat so großes und Wichtiges zu Ehe, Liebe und Sexualität zu sagen - ist es da notwendig, sich dann dauernd in Details zu verlieren ...?

Samstag, 20. November 2010

Stadt vs. Land

Nach langer, langer Zeit denk ich mir wieder mal einen Kommentar hier vom Stapel lassen zu müssen. In der letzten Zeit - denk ich mir - ist in unserem Land Österreich eigentlich von den meisten unbemerkt ein Tauziehen losgegangen zwischen Stadt und Land. Ich möchte das, was ich meine an zwei Beispielen verdeutlichen: Gesundheit und Bildung.

Beginnen wir mal mit der Gesundheit: Soweit ich es verstanden habe, monieren Gesundheitsökonomen (was es nicht alles für Experten gibt), dass in unserem Land es viel zu viele Spitalsbetten gibt usw. usf. Da wird das Zusammenlegen von Stationen eingemahnt, auf Doppelgleisigkeiten hingewiesen, immer wieder die selben Beispiele herangezogen usw. usf. um im Lande eine Art Mainstreammeinung zu forcieren, dass eigentlich unser Spitalswesen viel zu aufgebläht und ineffizient sei; ein Krankenhaus unter 300 Betten sei nicht sinnvoll zu führen ... - ich möchte mich jetzt nicht in Details verlieren (von denen ich sowieso zu wenig Ahnung habe) - ABER:

Wollen wir Menschen am Land es wirklich, dass irgendwann jede etwas schwerer erkrankte Person in irgendein Center of Excellence gebracht wird, wo ihm möglicherweise die perfekte Behandlung angediehen wird, aber kaum jemand noch auf Besuch kommt, weil man nicht unbedingt seinen Nachbarn in einem Spital besucht, dass 80 oder 100km entfernt ist? Oder noch etwas anderes:

Kapieren die sogenannten Gesundheitsökonomen eigentlich welchen ökonomischen Input ein Krankenhaus auf eine ländliche Region eigentlich hat? Ohne jetzt für Zahlen die Hand ins Feuer legen zu wollen, getraue ich mir getrost zu sagen,  dass ein Provinzspital auf den Arbeitsmarkt (und damit auf eine gesamte regionale Ökonomie) die Auswirkung hat, mindestens die Anzahl der Beschäftigten im Spital zu verdoppeln - was ich sagen will: wenn ein Krankenhaus sagen wir 250 Beschäftigte hat, werden dadurch sicher außerhalb des Krankenhauses weitere 250 Personen beschäftigt - beginnend von mir aus beim Bäcker, der das Gebäck liefert bis letztendlich zur sagen wir Lehrerin, die da ist, weil die durch die direkt und indirekt durch das Krankenhaus Beschäftigten ja möglicherweise auch Kinder haben, die zur Schule gehen. Also können wir durchaus von einem Triggereffekt ausgehen, der durch eine Institution wie ein Krankenhaus erzielt wird. Aber von solchen volkswirtschaftlichen Überlegungen, die über betriebswirtschaftliche Betrachtungen weit hinausgehen, hört man sehr wenig.

Ähnliches denke ich auch über die in den letzten Wochen angelaufene Debatte um die Schulkompetenzen. Ich kann mir wirklich nicht vorstellen, dass in Wien für ganz Österreich letztlich über Schulstandorte entschieden wird - und das würde es, wenn die Rechenstiftakrobaten in den Tintenburgen fernab ländlicher Realität mit irgendwelchen Schlüsselzahlen und abstrakten Formeln festlegen würden, wieviel Geld nun ein Schüler kosten dürfe. Ich werde den Verdacht nicht los, dass ein Problem der Zentralräume zu einem allgemeinen Problem gemacht wird. Ich jedenfalls kenne aus meinem mir zugänglichen Umfeld keinen jungen Menschen, der es nicht geschafft hätte, ein einigermaßen geglücktes Leben zu haben (ja ich weiß schon, dass nicht alles Gold ist was glänzt). Und große Probleme mit Schulversagern u.ä. sind mir in den letzten Jahren auch nicht untergekommen.

Aber eines gebe ich natürlich zu: Eine Schule mit 500 Kids lässt sich möglicherweise ökonomischer führen, als eine kleine Landhauptschule mit nicht mal 100 Schüler/inne/n - wobei ich mir dann auch nicht sicher bin, ob bei einer etwas erweiterten Betrachtung nicht doch wieder die Kleinschule effektiver ist, als ein zentralisierter Bildungstempel voll mit über dutzende Kilometer in aller Herrgottsfrühe herangekarrte  Kinder. Und natürlich auch wieder der Input, der von eine kleinen Landschule ausgeht: Hebung der regionalen Wohnqualität, Sicherung so mancher Arbeitsplätze in den Kleinregionen usw. usf.

Aber interessiert das wirklich die "Citioten" - nein, wahrscheinlich verstehen die nicht mal das Problem ... - aber leider sitzen solche Leute meist in den Ministerien und deren vorgelagerten Centers of Excellence.

Also verstehen sie, p.t. Leserschaft, was ich meine mit einem Tauziehen zwischen Stadt und Land? Sollten die von den Zentralisierern mit Trommelfeuer veröffentlichte Meinung politisch die Oberhand behalten/gewinnen, dann kommt es zu einer deutlichen Verschlechterung der Lebenssituation der Menschen außerhalb von Zentren unter sagen wir 5000 Einwohnern.