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Dienstag, 5. März 2013
Wieder ein mal einen Erste Hilfe Kurs ...
... diesmal mit der 4. Klasse der Hauptschule Schönbach. Nachdem ich ja seit drei Jahren aus dem Schuldienst geschieden bin, finde ich die paar Vormittage mit den jungen Leuten sehr erfrischend. Irgendwie bin ich dankbar, dass es mir geschenkt ist, den jungen Menschen beibringen zu dürfen, wie sie Leben retten können.
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Freitag, 11. November 2011
Warum ich das Bildungsvolksbegehren nicht unterzeichnet habe ...
... Komplexe und differenzierte Sachverhalte monocausal erklären zu wollen und dann auf dieser Basis 08/15 Maßnahmen als Lösung für alles und jedes anbieten zu wollen - ich kann das nicht unterschreiben. Und wenn ich die allenthalb im www herumgeisternden Kommentare überfliege, fühle ich mich bestätigt, dieses Volksbegehren nicht unterschrieben zu haben, obwohl so manches mir möglicherweise bedenkenswert erschiene - so viel Banalität, Phrasendrescherei auch von Seiten jener, die sich als Gegner bezeichnen....
Das mediale Trommelfeuer, das ständige Wiederholen und Insistieren auf immer mehr zu Worthülsen und Schlagworten verkommender Maßnahmen schürte in mir den Verdacht, dass hier eher der Profilierungssucht einiger weniger Genüge getan wurde und es letztlich - wenn auch immer vorgeschoben - es nicht um die Menschen in der Schule ging und schon gar nicht um Bildung. Andernfalls hätten sich die Proponenten in ihrer von ihnen immer wieder behaupteten Expertise auch mal in die tiefe Provinz begeben müssen, um uns Leuten draußen deutlich zu machen, was denn so schlecht sei und wie sich das Volksbegehren auf uns und unsere Kinder auswirken würde ... Ich habe z.B. den - denke ich nicht unbegründeten - Verdacht, dass es den vielen kleinen Hauptschulen in entlegenen Regionen, die mit Abwanderung zu kämpfen haben, ernsthaft an den Kragen ginge (mit allen Folgen für die Bevölkerung: Verlust des Schulstandortes, der Attraktivität als Wohnstandort u.ä.) - und welcher Idiot unterschreibt sozusagen sein Todesurteil selbst? Dann wäre ich tatsächlich ein Idiot (oder soll ich Cityot schreiben - mein Gott liebe ich dieses Wort). Im Übrigen kommen aus unserer Hauptschule eine Reihe hervorragender Akademiker/innen, Facharbeiter/innen, Lehrerinnen, Krankenpflegerinnen usw. - und in den letzten Jahren landete meines Wissens keine/r unserer Absolvent/inn/en sozusagen in der Gosse - alle stellen ihre/n Frau/Mann in der Gesellschaft. Stimmt vielleicht andernorts in unserem Land die Gesellschaft nicht - könnte man ja auch mal fragen;aber wie hat es ein guter Freund von mir mal formuliert.:
Der beste Weg, seine Probleme nicht loszuwerden und in ihnen verhaftet zu bleiben ist, alle anderen dafür verantwortlich zu machen
Das mediale Trommelfeuer, das ständige Wiederholen und Insistieren auf immer mehr zu Worthülsen und Schlagworten verkommender Maßnahmen schürte in mir den Verdacht, dass hier eher der Profilierungssucht einiger weniger Genüge getan wurde und es letztlich - wenn auch immer vorgeschoben - es nicht um die Menschen in der Schule ging und schon gar nicht um Bildung. Andernfalls hätten sich die Proponenten in ihrer von ihnen immer wieder behaupteten Expertise auch mal in die tiefe Provinz begeben müssen, um uns Leuten draußen deutlich zu machen, was denn so schlecht sei und wie sich das Volksbegehren auf uns und unsere Kinder auswirken würde ... Ich habe z.B. den - denke ich nicht unbegründeten - Verdacht, dass es den vielen kleinen Hauptschulen in entlegenen Regionen, die mit Abwanderung zu kämpfen haben, ernsthaft an den Kragen ginge (mit allen Folgen für die Bevölkerung: Verlust des Schulstandortes, der Attraktivität als Wohnstandort u.ä.) - und welcher Idiot unterschreibt sozusagen sein Todesurteil selbst? Dann wäre ich tatsächlich ein Idiot (oder soll ich Cityot schreiben - mein Gott liebe ich dieses Wort). Im Übrigen kommen aus unserer Hauptschule eine Reihe hervorragender Akademiker/innen, Facharbeiter/innen, Lehrerinnen, Krankenpflegerinnen usw. - und in den letzten Jahren landete meines Wissens keine/r unserer Absolvent/inn/en sozusagen in der Gosse - alle stellen ihre/n Frau/Mann in der Gesellschaft. Stimmt vielleicht andernorts in unserem Land die Gesellschaft nicht - könnte man ja auch mal fragen;aber wie hat es ein guter Freund von mir mal formuliert.:
Der beste Weg, seine Probleme nicht loszuwerden und in ihnen verhaftet zu bleiben ist, alle anderen dafür verantwortlich zu machen
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Mittwoch, 6. Juli 2011
Das hab ich schon vor Jahren gesagt ...
... und zwar am 28. November 2008 an dieser Stelle im Klartext:
Stellt euch vor, alle Polizisten und Krankenpfleger/innen hätten einen Fachhochschulabschluss, alle Lehrer/innen ebenso - ei, wie da die Akademikerquote steigen würde (im Übrigen im angelsächsischen Raum ist das meiner Erfahrung nach tatsächlich so aber deswegen können die entsprechenden Arbeitskräfte auch nicht unbedingt so viel mehr UND bekommen auch nicht so viel mehr bezahlt)
... und jetzt steht's hier: http://news.orf.at/stories/2067235/Bildungsvergleiche - Rankings - und anderer Schlagzeilenunsinn
Heute wieder mal etwas im Kurier gelesen (an sich ja keine schlechte Zeitung): Keine guten Noten für Österreichs Unis - und mir geht schön langsam das sprichwörtliche "Gimpfte" auf.
Ich hatte jetzt das Vergnügen, wochenlang mit Mitschülern aller möglichen Nationen gemeinsam die Schulbank zu drücken. Nicht wenige von ihnen hatten einen Universitätsabschluss in der Tasche. Ich möchte ja jetzt nicht überheblich erscheinen, aber teilweise mangelte es den Kolleginnen und Kollegen in nicht unerheblichem Maße an Allgemeinbildung - teilweise in erschreckendem Ausmaße. Ich beginne schön langsam zu relativieren, was da an Rankings durch die Welt läuft - hier werden mehr oder weniger die Maßstäbe des angelsächsischen Bildungssystems als Guidlines herangezogen, was zu einer einseitigen Verzerrung der Ergebnisse führt.
Einmal kurz gesagt: Wenn bei uns ein Schüler mit 19 an einer HTL maturiert, steht er im Wesentlichen am selben Level wie ein amerikanischer Collegabsolvent mit 22 - mit einem Unterschied: der wird in den Statistiken als Akademiker geführt - bei uns aber nicht. Oder die berühmte Matura: im angelsächsischen System sammelt man im Wesentlichen credits - bis zum Highschoolabschluss musst du halt eine bestimmte Anzahl dieser Credits haben - überspitzt hat es eine Mutter so formuliert - wenn man es an manchen Highschools geschickt anstellt, nimmt man die meisten Credits mit Kochen, Handarbeiten, diversem Sport, möglicherweise Chearleaden - dann noch ein paar Credits in den Basics - und du hast die Highschool abgeschlossen (und nachdem jeder Nordamerikaner bis 18 an der Highschool ist, haben alle die Matura) - und die Facharbeiter werden importiert (weil bis jetzt hat man es ja nicht als notwendig empfunden, die selben auszubilden; und nebenbei haben Facharbeiter eine - sagen wir es mal so - nicht so angesehene gesellschaftliche Stellung - white colour workers are more reputable than blue colour workers and so on ...) - nur jetzt scheint man draufzukommen, dass etwas schief läuft im Lande und man beginnt, jetzt auch Handwerker gezielt auszubilden (möglicherweise verhilft das ihnen auch zu einem etwas besseren Status in der Gesellschaft).
Jedenfalls gebe ich auf dieses ganze Gejammere um das Ranking unserer Unis und unseres Bildungssystems gar nichts mehr - weil - bei aller Reformbedürftigkeit - es gehört sicher zu den besseren in der westlichen Zivilisation (allemal besser als der große Durchschnitt in der angelsächsischen Welt)
God bless you
Stellt euch vor, alle Polizisten und Krankenpfleger/innen hätten einen Fachhochschulabschluss, alle Lehrer/innen ebenso - ei, wie da die Akademikerquote steigen würde (im Übrigen im angelsächsischen Raum ist das meiner Erfahrung nach tatsächlich so aber deswegen können die entsprechenden Arbeitskräfte auch nicht unbedingt so viel mehr UND bekommen auch nicht so viel mehr bezahlt)
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Samstag, 12. März 2011
Jetzt knallen die Schwarzen total durch
Um ihrer geliebten Döblinger Regimenter willen, sieht das neue Bildungskonzept der ÖVP vor, dass eine mittlere Reife zum Abschluss der Pflichtschule abgefragt werden soll (oder kann - je nach Lesart); natürlich nur für die "Neuen Mittelschüler/innen" - den Schimnasiasten ist das natürlich nicht zuzumuten - möglicherweise könnt' da ja was schief gehen ....
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Freitag, 11. März 2011
ÖVP Bildungsreform ...
... nach dem Motto
... im Prinzip läuft das Beharren der Schwarzen auf dem Schymnasium auf dieses Lied hinaus: Spiel nicht mit den Schmuddelkindern: Kniefall vor den Döblinger Regimentern und vor allen, die meinen, ihre minderbegabten Abkömmlinge mit Gewalt und noch mehr Geld zur Matura durchschleifen zu müssen.
... im Prinzip läuft das Beharren der Schwarzen auf dem Schymnasium auf dieses Lied hinaus: Spiel nicht mit den Schmuddelkindern: Kniefall vor den Döblinger Regimentern und vor allen, die meinen, ihre minderbegabten Abkömmlinge mit Gewalt und noch mehr Geld zur Matura durchschleifen zu müssen.
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Freitag, 18. Februar 2011
Stellen Sie sich vor ....
... sie wollen einen großen Roman schreiben - so einen richtig großen, so einen wie z. B. Ulysses von James Joyce oder Mann ohne Eigenschaften von Musil - so einen richtig Epoche machenden Roman. Ja und das erzählen sie jedem, sie berufen immer wieder eine Pressekonferenz ein, wo sie verkünden, dass sie einen ganz großen Roman schreiben wollen. Zwischendurch geben sie bei einem Interview bekannt, dass das 5. Wort auf der 3. Zeile des 2. Absatzes auf Seite 235 (von voraussichtlich 1366 Seiten - es wird ja ein ganz großer Roman ...) .................
Frau Minister Schmid verkündete gestern, dass es kein Sitzenbleiben mehr geben soll ....
Frau Minister Schmid verkündete gestern, dass es kein Sitzenbleiben mehr geben soll ....
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Montag, 10. Jänner 2011
Bildungspolitik als Abtausch abgelutschter Schlagwörter
Die ÖVP hat ein Bildungskonzept vorgelegt. Ob da alles durch und durch vernünftig ist, darüber lässt es sich vortrefflich streiten. Wobei mir aber die Galle hochkommt, ist das verbale zensieren mit Schlagworten, wie es von anderen Parteien geübt wird. Warum macht sich keiner der Kritiker mal die Mühe, die Vorschläge von der Sache her zu zerpflücken.
Wie es jetzt läuft, wird nur mit ideologischen Schlagworten herumgeworfen.
Ein paar Fragen meinerseits: Was ist so schlecht an einer ausgebauten Bildungsberatung am Ende der Pflichtschule (oder gemeinsamen Schule der 6 - 14/15/16jährigen) - von mir aus auch als Eignungsprüfung. Ich wäre jedenfalls - rückblickend - froh gewesen, wenn mir die 1 1/2 Jahre HTL durch eine entsprechend gediegene Eignungsprüfung erspart geblieben wäre - mein KV in der Unterstufe hat es mir prophezeit: "Gruawa fia an Technika bist du zu schusselig und zu schlampig!" - interessiert hat mich die E-Technik, in den Sprachen war ich seinerzeit schlecht, Mathe und viel mehr die Physik sind mir irgendwie gelegen - also hab ich ihm nicht geglaubt. Reumütig ging es dann noch während des 1. Semesters der 2. Klasse HTL zurück an das gute alte Gymnasium.
Aber das nur so als kleine Anekdote
Aber nun zurück: Ich werde den Verdacht nicht los, dass aufgrund der Lautstärke der Kritiker, die Vorschläge so schlecht nicht sein können ... andernfalls würde ich mehr kühle Sachlichkeit und echten Diskurs vorfinden. Nur Idioten schimpfen andere mangels eigener Expertise Idioten ...
Wie es jetzt läuft, wird nur mit ideologischen Schlagworten herumgeworfen.
Ein paar Fragen meinerseits: Was ist so schlecht an einer ausgebauten Bildungsberatung am Ende der Pflichtschule (oder gemeinsamen Schule der 6 - 14/15/16jährigen) - von mir aus auch als Eignungsprüfung. Ich wäre jedenfalls - rückblickend - froh gewesen, wenn mir die 1 1/2 Jahre HTL durch eine entsprechend gediegene Eignungsprüfung erspart geblieben wäre - mein KV in der Unterstufe hat es mir prophezeit: "Gruawa fia an Technika bist du zu schusselig und zu schlampig!" - interessiert hat mich die E-Technik, in den Sprachen war ich seinerzeit schlecht, Mathe und viel mehr die Physik sind mir irgendwie gelegen - also hab ich ihm nicht geglaubt. Reumütig ging es dann noch während des 1. Semesters der 2. Klasse HTL zurück an das gute alte Gymnasium.
Aber das nur so als kleine Anekdote
Aber nun zurück: Ich werde den Verdacht nicht los, dass aufgrund der Lautstärke der Kritiker, die Vorschläge so schlecht nicht sein können ... andernfalls würde ich mehr kühle Sachlichkeit und echten Diskurs vorfinden. Nur Idioten schimpfen andere mangels eigener Expertise Idioten ...
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Samstag, 28. August 2010
So mal aufgeschnappt ....
... Lehrer/innen und Fußballtrainer sind die meist beratenen Personen in Österreich: geschätzte 4 Millionen sind gleichzeitig Bildungs- und Fußballexperten - "Heimat bist du großer Töchter und Söhne" ....
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Freitag, 20. August 2010
Ist mit Strukturreformen alles erledigt
Heute auf KathPress - "Bildungsmängel der Lehrlinge zeigen Reformbedarf im Schulsystem" - es scheint schon ein ungeschriebenes Gesetz zu sein, dass "Bildungsexperten" bzw. jene, die sich dafür halten (und das scheinen ja in Österreich schon fast alle zu sein), meinen, alleine eine Strukturreform würde mit sozusagen einem Fingerschnippen alle Probleme beseitigen. Nun ja, es mag schon stimmen, dass bestimmte Leute mit dem Bildungssystem besser zurande kommen als andere, und es mag auch stimmen, dass dieses Zurandekommen mit sozialen Umständen der betreffenden Personen korreliert, aber alleine die Änderung des äußeren Rahmens bzw. der Glaube daran bringt rein gar nichts. Wenn der einzelne Schüler (respektive Schülerin) nicht will, wenn die Eltern nicht unterstützen bzw. die nötigen Willen zur Erziehung ihrer Kinder nicht an den Tag legen, wenn alles Leben für die Kids im Grunde genommen nur aus Entertainment besteht (Aufzählung sehr unvollständig), dann dürfen wir uns nicht wundern, wenn es Jugendliche gibt, die am Ende ihrer Schullaufbahn sich als ungenügend für einen Lehrberuf erweisen.
Ich denke, dass Strukturreformen für sich allein genommen gar nichts bewirken werden außer einmal eine unnötige Beunruhigung der ganzen Bildungslandschaft. Wer wirklich Reformen möchte, sollte sich mal die Mühe machen, wirklich zuzuhören. Die ganzen Leute, die da in ihren Tintenburgen zwischen Salzburg und Wien herumhocken, sollten anstatt irgendwelche Expertisen enden wollender Relevanz von sich zu geben, sich draußen in den Hauptschulen hinsetzen, mit Eltern (allen - nicht nur ausgewählten Bundeselternvertretern, die außer ihrer eigenen kleinen Welt ja auch nur noch die Welt der Zahlen und Ziffern und veröffentlichten Meinungen kennen) Lehrer/inne/n und Schüler/inne/n zusammensetzen (nachdem sie einmal eine Woche lang nur mal zugesehen und zugehört haben) und mit diesen erarbeiten, wie vor Ort eine menschen- und sachgerechte Reform passieren soll. Aber das wird halt meine fromme Fantasie bleiben, weil das könnte man dann nicht als Schlagzeile verkaufen und da käme dann möglicherweise etwas heraus, was man so gar nicht bis jetzt bedacht hat. Nur eines käme wahrscheinlich sicher nicht heraus: Es würde nicht billiger werden - aber sollte uns das Glück und die Ausbildung und vor allem Bildung unserer Jugend es nicht wert sein, mehr Geld in die Hand zu nehmen???
Ich denke, dass Strukturreformen für sich allein genommen gar nichts bewirken werden außer einmal eine unnötige Beunruhigung der ganzen Bildungslandschaft. Wer wirklich Reformen möchte, sollte sich mal die Mühe machen, wirklich zuzuhören. Die ganzen Leute, die da in ihren Tintenburgen zwischen Salzburg und Wien herumhocken, sollten anstatt irgendwelche Expertisen enden wollender Relevanz von sich zu geben, sich draußen in den Hauptschulen hinsetzen, mit Eltern (allen - nicht nur ausgewählten Bundeselternvertretern, die außer ihrer eigenen kleinen Welt ja auch nur noch die Welt der Zahlen und Ziffern und veröffentlichten Meinungen kennen) Lehrer/inne/n und Schüler/inne/n zusammensetzen (nachdem sie einmal eine Woche lang nur mal zugesehen und zugehört haben) und mit diesen erarbeiten, wie vor Ort eine menschen- und sachgerechte Reform passieren soll. Aber das wird halt meine fromme Fantasie bleiben, weil das könnte man dann nicht als Schlagzeile verkaufen und da käme dann möglicherweise etwas heraus, was man so gar nicht bis jetzt bedacht hat. Nur eines käme wahrscheinlich sicher nicht heraus: Es würde nicht billiger werden - aber sollte uns das Glück und die Ausbildung und vor allem Bildung unserer Jugend es nicht wert sein, mehr Geld in die Hand zu nehmen???
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Samstag, 14. August 2010
Kleines Lexikon zur Schulreform (nicht alphabethisch)
Schulautonomie: Schönes Wort der Bildungsbürokraten. Statt ein jedem/r Schüler/in ein bestimmtes Maß an Unterrichtsstunden zuzuweisen, die er/sie unterrichtet werden muss, wird das quantitative Verhältnis Schüler/innen - Lehrer/innen zentral definiert und dann darf jeder Direktor in bestimmtem Maße mit den der Schule zugewiesenen Lehrerstunden machen was er will - funktioniert ganz gut bei Schulen über 300 Schüler/innen (die profitieren in erheblichem Maße davon) - kleine Hauptschulen unter 100 Schüler/innen werden definitiv ausgeblutet. Größere Schulen können als Freifach z. B. 100 m Blödschauen über Hürden anbieten, Kleinschulen können kaum noch das Mindestmaß unterrichten.
Innere Differenzierung: statt jedem Schüler zuzugestehen in einer homogenen Gruppe adäquat seiner Leistungsfähigkeit und Lerntempo entsprechend in einer Kleingruppe unterrichtet zu werden, erspart man sich die Lehrerstunden für die Kleingruppe und stülpt einem Lehrer die Aufgabe über, möglichst individuell für 25 Schüler/innen zu unterrichten. Na ja - Lehrerstunden sind eingespart und das meist wirklich nicht am Laufenden seiende Medienpublikum hat eine neue Platitüde, die sie im Chor mit der Redaktion des Kurier unter dem Dirigat von Salcher und seiner Assistentin Schmied (oder ist es umgekehrt? - Auch egal).
Pisa Test: Verfahren zu Feststellung der Leistungsfähigkeit einer bestimmten Schülerkohorte (15jährige) - nach einem ganz guten ersten Ergebnis kam es danach zu einer eklatanten Verschlechterung. Bin normal diversen Verschwörungstheorien eher abhold, aber irgendwas passt mir da nicht. Sei es einmal, dass der Koordinator dieses Tests immer präsenter in der Öffentlichkeit wurde, sein Institut mit immer mehr Mittel ausgestattet wurde, faszinierender Einklang zwischen Ministerium und diesem Institut herrscht, allenthalben Studien entstehen (hochbezahlt) die sowieso unmittelbar Evidentes mit ein paar Zahlen ummanteln .... - meine kleine Theorie: möglicherweise werden bei den anderen Nationen die Probanden etwas differenzierter per Zufall gefunden ... - oder bei uns wird zur Untermauerung seiner eigenen Argumente bevorzugt die Probanden in Wiener Schulen gesucht ....
Lehrer/innengewerkschaft: Leute die sich in der Öffentlichkeit für die falschen Sachen stark machen.
Schulreform: Wiener Schulen haben ein Problem - die Lösung muss für ganz Österreich gelten (weil ja per Definition ja in Wien sowieso nix anders ist als im Rest von Österreich)
Innere Differenzierung: statt jedem Schüler zuzugestehen in einer homogenen Gruppe adäquat seiner Leistungsfähigkeit und Lerntempo entsprechend in einer Kleingruppe unterrichtet zu werden, erspart man sich die Lehrerstunden für die Kleingruppe und stülpt einem Lehrer die Aufgabe über, möglichst individuell für 25 Schüler/innen zu unterrichten. Na ja - Lehrerstunden sind eingespart und das meist wirklich nicht am Laufenden seiende Medienpublikum hat eine neue Platitüde, die sie im Chor mit der Redaktion des Kurier unter dem Dirigat von Salcher und seiner Assistentin Schmied (oder ist es umgekehrt? - Auch egal).
Pisa Test: Verfahren zu Feststellung der Leistungsfähigkeit einer bestimmten Schülerkohorte (15jährige) - nach einem ganz guten ersten Ergebnis kam es danach zu einer eklatanten Verschlechterung. Bin normal diversen Verschwörungstheorien eher abhold, aber irgendwas passt mir da nicht. Sei es einmal, dass der Koordinator dieses Tests immer präsenter in der Öffentlichkeit wurde, sein Institut mit immer mehr Mittel ausgestattet wurde, faszinierender Einklang zwischen Ministerium und diesem Institut herrscht, allenthalben Studien entstehen (hochbezahlt) die sowieso unmittelbar Evidentes mit ein paar Zahlen ummanteln .... - meine kleine Theorie: möglicherweise werden bei den anderen Nationen die Probanden etwas differenzierter per Zufall gefunden ... - oder bei uns wird zur Untermauerung seiner eigenen Argumente bevorzugt die Probanden in Wiener Schulen gesucht ....
Lehrer/innengewerkschaft: Leute die sich in der Öffentlichkeit für die falschen Sachen stark machen.
Schulreform: Wiener Schulen haben ein Problem - die Lösung muss für ganz Österreich gelten (weil ja per Definition ja in Wien sowieso nix anders ist als im Rest von Österreich)
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Freitag, 13. August 2010
Lufthoheit am Plattitüdenhimmel
Heute wieder einmal zum Thema Schule. Anlass: Unser Provinzgouverneur Pröll hat vorgeschlagen, dass die österreichischen Bundesländer die komplette Kompetenz über das Bildungswesen übernehmen sollen. Nun kann man mich sicherlich nicht als des Landesfürsten treuesten Paladin bezeichnen - aber von meinem ganz subjektiven Standpunkt her muss ich ihm diesmal recht geben. Nicht dass ich etwa in Abrede stellen möchte, dass im Falle von Erwin Pröll nicht unerheblich das Eros der Macht ein Rolle spielen wird, aber in vielen Punkten scheint mir der Bund letztlich doch zu Wien-zentriert in der Definition der Probleme und bei der allfälligen Lösung derselben.
Z.B. Ganztagsgesamtschule: In den Zentralräumen sicherlich diskutierbar - wenn aber das Ganze dann aufgrund beschränkter Budgetmittel zu Lasten der kleinen peripheren Landschulen geht, ist bei mir persönlich Feuer am Hut (oder Dach??). Ich könnte mir vorstellen, dass auf Landesebene hier flexibler agiert würde als vom Zentrum aus, dessen Hermeneutik ja doch nur auf der Erfahrung großer Zentren beruht.
Aber die veröffentlichte Meinung kaut nur wider, was ein paar überbezahlte Educationsbürokraten im Auftrag der Ministerin an Plattitüden vorkauen. Sozusagen hat sie die Lufthoheit am Plattitüdenhimmel. Hoffe nur, dass wir am Land nicht an diesen Plattitüden krepieren ...
Z.B. Ganztagsgesamtschule: In den Zentralräumen sicherlich diskutierbar - wenn aber das Ganze dann aufgrund beschränkter Budgetmittel zu Lasten der kleinen peripheren Landschulen geht, ist bei mir persönlich Feuer am Hut (oder Dach??). Ich könnte mir vorstellen, dass auf Landesebene hier flexibler agiert würde als vom Zentrum aus, dessen Hermeneutik ja doch nur auf der Erfahrung großer Zentren beruht.
Aber die veröffentlichte Meinung kaut nur wider, was ein paar überbezahlte Educationsbürokraten im Auftrag der Ministerin an Plattitüden vorkauen. Sozusagen hat sie die Lufthoheit am Plattitüdenhimmel. Hoffe nur, dass wir am Land nicht an diesen Plattitüden krepieren ...
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Donnerstag, 19. November 2009
Hurra - ich bin wieder da!
Na warum denn wohl. Zugegebenermaßen in den letzten Monaten hat sich ganz viel abgespielt. So (wohl in einem Team mit wirklich hervorragenden Mitarbeiter/inne/n) für drei Pfarren als Priester da zu sein, ist schon ein wenig fordernd - gerade für mich, da mir ja nicht wirklich übermäßige Ordnungsliebe und/oder krankhafte Detailverliebtheit vorzuwerfen ist. Aber mein heutiger Einwurf betrifft wieder mal: natürlich die Schule
Nachdem mir ja bei den Wahlen im Jahr 2007 die Strickliesl als Leibspeisenopfer abhanden gekommen ist, verbeisse ich mich jetzt eher auf die Schmidt - die sich ja ursprünglich gar nicht schlecht angelassen hat, die aber mangels eigener Expertise mehr und mehr in die Fänge wohl akademisch gebildeter aber mutmaßlich praktisch völlig danebenstehender "wissenschaftlicher Pädagogen" geraten ist, die dankenswerterweise schon Strickliesl vor längerer Zeit in einem Salzburger Elfenbeinturm zusammengefangen hat, damit diese mit selbst kreierten Befragungen und Studien das herausfinden können, was sie schon im Design der selben hineingeheimnisst haben. So nebenbei: Vermutlich lässt sich dieser Elfenbeinturm (Institut für Bildungsforschung) als Beispiel für das Parkinsonsche Gesetz heranziehen (wechselseitige Arbeitsbeschaffung diverser Experten).
Aber jetzt mal Schluss mit den Nebenbemerkungen.
Bei all den Diskussionen der letzten Monate fällt mir auf, dass immer nur über Strukturen geprochen wird. Man könnte schon mal meinen, dass die meisten (Selbst)darsteller auf der Diskussionsbühne meinten, man bräuchte eigentlich nur die richtige Struktur zu finden, und schon würde das System die gewünschte Ergebnisse (Frage so nebenbei: welche) liefern. So frei nach dem Motto: Haben wir alle 10 - 14 jährigen einmal in einer ganztägigen Schulform irgendwo zusammengepfercht und zur Zentralmatura durchgereicht, dann können die mit dem neu geschaffenen Bachelor nach Bologna-Art versehen wordenen sich bald den Nobelpreis von was auch immer um den Hals hängen (jaja, vorher müssen sie natürlich noch nach Gugging auf die neue Eliteschule gehen - aber bei einem Ausbildungssystem, bei dem es nur noch von akademischen Straßenkehrern und Raumpflegern so wimmelt, dürfte das ja dann kein Problem sein).
Jetzt aber im Ernst: Es läuft auf das hinaus, was Helmut Qualtinger schon in den 50ern so blendend besungen hat:
"I woas zwoa net wo I hin wül, owa dafia bin I schnölla durt"
Ich nehme jetzt mal nur ein Beispiel heraus: offene und fakultative Nachmittagsbetreuung bei Fortbestehen des Hauptunterrichts am Vormittag versus ganztägige Schulformen. Es sprechen sicher einige Punkte für letztere; Punkte aber, denen bei erstgenannter Form auch entsprochen werden kann, ohne dabei folgende Dinge außer Acht gelassen zu haben, die bei obligatem Ganztagsunterricht mit hoher Wahrscheinlichkeit verloren gehen könnten.
Vielleicht gibt ja mal wer eine Replik - wäre gespannt ...
Nachdem mir ja bei den Wahlen im Jahr 2007 die Strickliesl als Leibspeisenopfer abhanden gekommen ist, verbeisse ich mich jetzt eher auf die Schmidt - die sich ja ursprünglich gar nicht schlecht angelassen hat, die aber mangels eigener Expertise mehr und mehr in die Fänge wohl akademisch gebildeter aber mutmaßlich praktisch völlig danebenstehender "wissenschaftlicher Pädagogen" geraten ist, die dankenswerterweise schon Strickliesl vor längerer Zeit in einem Salzburger Elfenbeinturm zusammengefangen hat, damit diese mit selbst kreierten Befragungen und Studien das herausfinden können, was sie schon im Design der selben hineingeheimnisst haben. So nebenbei: Vermutlich lässt sich dieser Elfenbeinturm (Institut für Bildungsforschung) als Beispiel für das Parkinsonsche Gesetz heranziehen (wechselseitige Arbeitsbeschaffung diverser Experten).
Aber jetzt mal Schluss mit den Nebenbemerkungen.
Bei all den Diskussionen der letzten Monate fällt mir auf, dass immer nur über Strukturen geprochen wird. Man könnte schon mal meinen, dass die meisten (Selbst)darsteller auf der Diskussionsbühne meinten, man bräuchte eigentlich nur die richtige Struktur zu finden, und schon würde das System die gewünschte Ergebnisse (Frage so nebenbei: welche) liefern. So frei nach dem Motto: Haben wir alle 10 - 14 jährigen einmal in einer ganztägigen Schulform irgendwo zusammengepfercht und zur Zentralmatura durchgereicht, dann können die mit dem neu geschaffenen Bachelor nach Bologna-Art versehen wordenen sich bald den Nobelpreis von was auch immer um den Hals hängen (jaja, vorher müssen sie natürlich noch nach Gugging auf die neue Eliteschule gehen - aber bei einem Ausbildungssystem, bei dem es nur noch von akademischen Straßenkehrern und Raumpflegern so wimmelt, dürfte das ja dann kein Problem sein).
Jetzt aber im Ernst: Es läuft auf das hinaus, was Helmut Qualtinger schon in den 50ern so blendend besungen hat:
"I woas zwoa net wo I hin wül, owa dafia bin I schnölla durt"
Ich nehme jetzt mal nur ein Beispiel heraus: offene und fakultative Nachmittagsbetreuung bei Fortbestehen des Hauptunterrichts am Vormittag versus ganztägige Schulformen. Es sprechen sicher einige Punkte für letztere; Punkte aber, denen bei erstgenannter Form auch entsprochen werden kann, ohne dabei folgende Dinge außer Acht gelassen zu haben, die bei obligatem Ganztagsunterricht mit hoher Wahrscheinlichkeit verloren gehen könnten.
- Sport, Musikunterricht u. v. m. wird in die Schule verlagert. Man kann natürlich sagen, was denn so schlecht daran wäre - na ja: gesellschaftlich würde Sport und Kultur in die Sphäre der Schule verlagert werden und verschwände in großen Teilen aus dem Alltagsleben. Man braucht nur in die angelsächsische Bildungslandschaft - namentlich Amerika zu blicken und sieht, dass gerade kleine Kommunen sportlich und kulturell immer mehr verhungern. Gerade am Land ist die Jugend ein ganz wichtiger Kulturträger.
- In den Schulen entwickelte sich eine Art Subkultur, die tendenziell sich vom restlichen Leben abkoppelte. Die jungen Menschen verlieren immer mehr den Kontakt zur realen Welt - allfällige Projekte (heute stellen wir die Mama/den Papa von XY vor und die/der erzählen, was sie so beruflich machen) können wirkliche Lebenserfahrung nie und nimmer wettmachen.
- Zivilgesellschaftliches Engagement von Jugendlichen wird jetzt schon durch immer mehr wachsende zeitliche Anforderung gerade im sekundären und tertiären Bildungssektor schon genügend erschwert - durch die obligatorische Ganztagsschulmodelle immer weiter zurückgedrängt und/oder möglicherweise auf die Basis von gut gemeinten Projekten herabgebrochen.
Vielleicht gibt ja mal wer eine Replik - wäre gespannt ...
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Dienstag, 2. Juni 2009
Wieder wurde eine Pisa-Detailstudie veröffentlicht ...
... diesmal ging es um geschlechtsspezifische Unterschiede in Mathematik. Die Studie soll anführen, dass die mathematischen Fähigkeiten im Alter von etwa 10 bei Buben und Mädchen im wesentlichen gleich sind (übrigens Buben aber schon in diesem Alter signifikant schlechtere Leser) aber nach Absolvieren der Pflichtschule Mädchen signifikant schlechter in Mathematik und Burschen im Lesen.
Und wer ist schuld: Ja natürlich - die Lehrer (die Schule; blablabla - das übliche verkürzte Geplärre).
Zuerst einmal: Die Studie ist sicher seriös - seriös gemäß ihrer Methode und ihren Fragestellungen. Davon gehe ich einmal aus - schlicht eine Frage des Vertrauens in die Wissenschaft - auch in die empirische Sozialforschung.
Worin ich aber mit einer gewissen Skepsis reagiere, sind die Grundannahmen, die, so mag ich mal unterstellen, nicht benannt wurden in dieser Studie, die aber ganz wichtig sind, um diverse aus ihr folgende Maßnahmen in ihrer Erfolgsträchtigkeit beurteilen zu können.
Ich gehe mal sicher konform, dass die unterschiedlichen Leistungen gar nichts mit einer allfälligen hirnphysiologischen bzw. biologischen geschlechtsspezifischen Determination zu tun hat. Aber die Verkürzung der Ursachen (zumindest ist das so medial vermittelt) auf einerseits strukturelle Bedingungen in allfälligen Schulsystemen, andererseits auf fachspezifische Didaktik ist mir etwas zu kurz geraten.
Ich denke, dass verschiedene Dinge einfach hier nicht entsprechend mitgedacht sind:
Vor ein paar Jahren haben wir mal schon begonnen, spielerisch Mädchen neue Erfahrungsräume aufzumachen (hat die Buben ein wenig neidisch gemacht damals *ggg*)
Und wer ist schuld: Ja natürlich - die Lehrer (die Schule; blablabla - das übliche verkürzte Geplärre).
Zuerst einmal: Die Studie ist sicher seriös - seriös gemäß ihrer Methode und ihren Fragestellungen. Davon gehe ich einmal aus - schlicht eine Frage des Vertrauens in die Wissenschaft - auch in die empirische Sozialforschung.
Worin ich aber mit einer gewissen Skepsis reagiere, sind die Grundannahmen, die, so mag ich mal unterstellen, nicht benannt wurden in dieser Studie, die aber ganz wichtig sind, um diverse aus ihr folgende Maßnahmen in ihrer Erfolgsträchtigkeit beurteilen zu können.
Ich gehe mal sicher konform, dass die unterschiedlichen Leistungen gar nichts mit einer allfälligen hirnphysiologischen bzw. biologischen geschlechtsspezifischen Determination zu tun hat. Aber die Verkürzung der Ursachen (zumindest ist das so medial vermittelt) auf einerseits strukturelle Bedingungen in allfälligen Schulsystemen, andererseits auf fachspezifische Didaktik ist mir etwas zu kurz geraten.
Ich denke, dass verschiedene Dinge einfach hier nicht entsprechend mitgedacht sind:
- Peergroups (z.B. lesende Buben haben es in manchen sozialen Kontexten schwer; analog könnte es auch bei Mädchen bzgl. Naturwissenschaften sein)
- lokale soziale Plausibilitäten (welche Berufe Mädchen und Burschen anstreben hängt nicht unerheblich von sozialen Kontexten ab)
- was wird in Medien kommuniziert - und da rede ich mal von den berühmten Spätnachmittagssendungen - z.B. die bei heranwachsenden Mädchen so beliebten "Witches": da dreht sich mal schon vieles um "Girlpower" - alles geht mit Schlauheit, Attraktivität, ein wenig Magie und vor allem immer leicht. - Und DAS verfestigt und erneuert in moderner Weise so manches altes Rollenbild.
Vor ein paar Jahren haben wir mal schon begonnen, spielerisch Mädchen neue Erfahrungsräume aufzumachen (hat die Buben ein wenig neidisch gemacht damals *ggg*)
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Samstag, 16. Mai 2009
Österreich steigt aus dem CERN aus ... 2. Teil
Heute habe ich Mittagsjournal gehört - und damit natürlich "Im Journal zu Gast" und da war heute Minister Hahn dran. Also eines muss ich sagen: Was der zum Ausstieg gesagt hat, war so etwas von dünner Suppe - einzig und allein Argumentum ex Auctoritate: Ich bin der Minister und ich habe entschieden und ich und meine Berater habe unsere Gründe. PUNKT. Aber diese Art der Nicht-Argumentation dürfte ein Grundprinzip der schwarzen Ministerriege sein. Scheinbar wollen sie Stärke signalisieren - aber ehrlich gesagt, so etwas hat bei mir noch nie gezogen. Vielleicht waren die alle beim gleichen Rhetorikseminar - ich glaube die ÖVP sollte sich einen anderen Referenten suchen.
Im Ernst gebe ich allen recht, die davon sprechen, dass der von Hahn angedachte Ausstieg nach 50 Jahren Mitgliedschaft einen so grossen Schaden für den Wissenschaftsstandort Österreich mit sich bringen wird, dass die von ihm vorgebrachte Unterstützung diverser exzellenter Jungforscher gar nicht mehr zu Debatte stehen wird, weil die Leute die es bekommen sollten, schlicht abwandern, und die die sich danach ums Geld anstellen, na ja sagen wir es so (ich habe ja selber auch mal studiert und habe kein Problem mich in die Riege derer einzureihen), werden halt brav ihre Dissertationen eher mediokrer Relevanz abliefern - sicher wird es diese freuen - nur Nobelpreis wird halt nicht so schnell einer rausschauen.
Nur ein Problem sehe ich natürlich auch: Wie kann Hahn da möglicherweise ohne Gesichtsverlust noch zurückrudern?
Ganz was anderes: Ich habe den Verdacht, dass da irgendwie industrienahe Kreise einfach Forschungsgelder in die ach so bedeutende angewandte Forschung (besonders im Vorfeld der Pharmaindustrie) umgeleitet sehen wollen. Und wirkliche Grundlagenforschung hat es im Umfeld der Erbsenzählermentalität österreichischer Politik sowieso schwer.
Ich wüsste was anderes: Angewandte Forschung sollte von den Anwendern betrieben werden. Öffentliches Geld sollte eher dort hingehen, wo nicht gleich hinter jeder Ecke potentielle wirtschaftliche Abnehmer stehen. Wo es wirklich um Erkenntnis und nicht um ökonomische Verwertung allfälliger Ergebnisse geht - letzteres sollen die Verwerter gefälligst aus ihren Mitteln finanzieren - letztendlich verdienen sie ja daran.
Übrigens: Das Argument mit den Pensionen, dass er auch angeführt hat (dass CERN großzügige Pensionen zahlt) - wie viel Pension bekommen diverse Ministerialräte, Sektionschefs, wie viele Sessel werden bei jedem Regierungswechsel herumgeschoben, wie viele pragmatisierte Beamte in den Ministerien werden mit Scheinarbeiten beschäftigt, weil sie anderen Günstlingen Platz machen mussten - und wer bezahlt das? - Egal; das Argument mit den Pensionen könnte vom Strache sein: Eine Gruppe schlecht machen, damit man selber besser zu glänzen scheint. - Pfui Gio - und du hast mal Philosophie studiert????
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Donnerstag, 14. Mai 2009
Ehrfurcht und Respekt
- Überfall Jugendlicher auf Gedenkveranstaltung in Ebensee mit nationalsozialistischem Hintergrund!
- Tiefe und verletzende Äußerungen mit antisemitischem Hintergrund bei einer Führung durch Auschwitz
- Schmierereien am ehemaligen KZ Mauthausen - Tatverdächtige freigesprochen - Ring Freiheitlicher Jugend jubelt
- .....
- Geiz ist geil
In Bezug auf die letzten Vorkommnisse mit Jugendlichen heißt das für mich, dass viele Jugendliche in unseren Tagen in einem gesellschaftlichen Umfeld leben, welches kaum mehr ein Sensorium für Schwächere aufweise - selten träumen junge Menschen noch von einer gerechteren Welt; Verbindlichkeit und Beständigkeit werden gesellschaftlich kaum mehr wahrgenommen, selten gelebt und auch nicht mehr, gerade von jungen Menschen eingefordert.
- Mechanistisches Bildungsverständnis (war schon gestern mal dran - gehört aber irgendwie her)
Abgesehen davon, dass der Schuss auch bei den bestvorbereiteten Stundenbilder und Initiativen nach hinten losgehen kann. Und wenn jetzt verschiedene Beispiele als gegenteilige herbeigezogen werden - z.B. Letters to the stars - dann sind diese Initiativen hervorragend und mögen gerade jene, die sowieso auf diesen Kanälen ansprechbar sind, auch in ihren Haltungen bestärkt und stabilisiert haben, aber ich denke kaum, dass das Gros oftmals gelangweilter Schülerinnen und Schüler dadurch in irgendeiner Weise verändert wurden.
So mancher Wirklichkeiten - seien sie positiv, wie in letztgenanntem Beispiel, seien sie negativ wie in den oben angeführten - sind oftmals medial vermittelte und vor allem vereinfachte/vereinfachende Wirklichkeiten
- Erziehungsarbeit zusehendst in der Schule
- Kann aus beständiger Negation Positives erwachsen?
- Victimisierung
Bezüglich der Eingangs angeführten Vorkommnisse und deren Hintergrund heißt das für mich, dass nicht wenige Jugendliche in ihrem Leben eine gewisse Bedrohung erfahren bzw. durch Umstände und möglicherweise Fehlentscheidung immer mehr in einen Strudel hineingeraten, den sie selbst als Marginalisierung erfahren. Sie werden zu Opfern (von was auch immer) - und gerade wegen der Unfähigkeit die Ursachen ihrer Misere zu benennen, ist es für manche politische Rattenfänger ein Leichtes, ihnen mit einfachsten Erklärungen, Sündenböcke zu liefern - und das sind nun mal immer wieder die "Anderen"
- Haben vor Sein?
die Produktion habe der Erfüllung der wahren Bedürfnisse des Menschen und nicht den Erfordernissen der Wirtschaft zu dienen
das Ausbeutungsverhältnis der Natur durch den Menschen wird durch ein Kooperationsverhältnis zwischen Mensch und Natur ersetzt
der wechselseitige Antagonismus zwischen den Menschen ist durch Solidarität ersetzt
oberste Ziele des gesellschaftlichen Arrangements seien das menschliche Wohlsein und die Verhinderung menschlichen Leids
maximaler Konsum ist durch einen vernünftigen Konsum (Konsum zum Wohle des Menschen) ersetzt
der einzelne Mensch wird zur aktiven Teilnahme am gesellschaftlichen Leben motiviert
- Glaubenserziehung
- Disziplin und Beständigkeit
- Grammatik
- Vokabel
Ohne diese drei würden wir niemals nicht einmal die Muttersprache beherrschen. In die Sprache des Glaubens übersetzt sind die drei Punkte:
- Disziplin und Beständigkeit findet seinen Ausdruck in Gebet, Gottesdienst, Meditation
- die Grammatik ist die Liebe
- und die Vokabel sind in der Hl. Schrift
Das Problem heute ist, dass Glaube immer mehr wie eine Fremdsprache begriffen wird - ja sie sozusagen als Fremdsprache unter erheblichen Mühen gelehrt und gelernt werden sollte. Und dass das nicht immer ganz einfach ist, habe ich als Schüler im Englisch/Latein/Altgriechischunterricht zu Genüge mitbekommen. Ich habe aber auch mitbekommen, dass auch nach jahrelanger Absenz von einer Sprache es möglich ist, sie doch noch zu lernen - wenn auch nicht zur absoluten Perfektion (dazu war ich dann doch schon ein wenig zu alt).
Im Glauben ist es ganz ähnlich: Am besten wäre es wirklich, die Glaubensvollzüge im Alltag als Kind einzuüben. Wer als Kind die Wirklichkeit Gottes durch die Eltern, durch eine lebendige Gemeinde erfahren hat, übt die Sprache des Glaubens ein, erlernt die Glaubensgrammatik - Liebe spielerisch, hat zumindest einen Grundstock an "Glaubensvokabel" - Bibelstellen, Wissen über den Inhalt der Bibel, ja, und Disziplin und Beständigkeit mögen wohl manchmal wanken, oder vielleicht scheinbar ganz verschwinden, aber wenn man wirklich einmal etwas beherrscht, verlernt man es praktisch nicht mehr (Radfahren, Schwimmen - ja sogar Schifahren z.B. - vielleicht stellt man sich Anfangs ein wenig dumm an nach längerer Zeit bzw. hat keine Kondition - aber beherrschen tut man's dann doch ...).
Sekundäre Glaubenserziehung, die heute nicht selten die einzige ist, ist hingegen bei allem Mühen der damit Befassten (Religionslehrer/innen, EK-Mütter, Firmbegleiter/innen) ein Mühen vergleichbar damit, einem oftmals mäßig interessierten Teenager eine Fremdsprache zu vermitteln.
Sekundäre Glaubenserziehung, die heute nicht selten die einzige ist, ist hingegen bei allem Mühen der damit Befassten (Religionslehrer/innen, EK-Mütter, Firmbegleiter/innen) ein Mühen vergleichbar damit, einem oftmals mäßig interessierten Teenager eine Fremdsprache zu vermitteln.
Ich kann mir jedenfalls nicht vorstellen, dass junge Menschen, die sich wirklich als unbedingt geliebt erfahren, Taten wie die am Beginn angeführten setzen können. Ich möchte mal behaupten NEIN. Der sich unbedingt als geliebt erfahrene Mensch hat es nun nicht notwendig, sich, auf welche Art auch immer, an andere Menschen anzuhalten, bzw. sie niederzudrücken um selber höher zu scheinen. Ein solcher Mensch lebt aus seiner eigenen Stärke heraus - ohne auf andere herabsehen zu müssen, noch sich jeder herannahenden zeitgeistigen Mode an den Busen zu werfen (zeitgeistige Busen sind schmal und kommen sie noch so groß daher, geben nur wenig, dünne Milch, die noch dazu nicht selten schon im Mund verfault). Solche Leute benötigen es nicht, andere verächtlich zu machen; solche Leute lassen sich auch betroffen machen. Und solche Leute wissen, welche Grenzen dazu da sind überschritten zu werden und welche niemals überschritten werden dürfen, da sie garantiert in den Schlund des Verderbens führen.
Mittwoch, 13. Mai 2009
Menschenbild - Schuldebatte ...
In Ebensee haben Jugendliche in verwerflichster Weise Opfer der Nazidiktatur während einer Gedenkfeier heruntergemacht
Gestern habe ich auf Bayern 2 eine Sendung über verschiedene Lernmethoden gehört.
Als kurz auf den Punkt gebracht: Salcher und Pisa-Haider retten moderiert von Bildungsministerin Schmid die Welt.
Was ich aber immer wieder bei dieser Art von Diskussion ist folgendes: Der/die Schüler/in wird sozusagen als ein Modellobjekt begriffen, an dem nur in idealer Weise herumgebastelt werden müsse, um ein bestimmtes Ergebnis zu erreichen. Ja - der/die Schüler/in wird mechanistisch verstanden. Früher nannte man das den "Nürnberger Trichter"
Ich möchte nun nicht abstreiten, dass Reform in vielerlei Hinsicht nötig ist - nein im Gegenteil, aber mir fehlt im Ernst, den/die Schüler/in in ihren konkreten Lebensfeldern wahrzunehmen. Und da gibt es mal welche, die wollen schlicht und ergreifend nicht an diversen Unterrichtspielchen teilnehmen. Es ist schon faszinierend, dass man wahrscheinlich nur etwas länger in jeder Schule stehen müsste, und sei sie noch so modernst strukturiert, um nicht wenige Schüler/innen jammern zu hören: "Na - net schon wida der Schaß - I mog heit net Partnerarbeit - i mog schlofn - oder mit meina Nochbarin trotschn ..."
Es kann einfach ein paar Leuten in wissenschaftlich-pädagogischen Instituten partout nicht zu Bewusstsein kommen, bzw. wirklich begriffen werden, dass es nun mal eine nicht geringe Anzahl von Kindern und Jugendlichen gibt, die nicht länger beschult werden möchten als notwendig (und sei diese Beschulung noch so reformpädagogisch). Ich habe nicht wenige ehemalige Schüler vor Augen, die wahrlich nicht schlecht in der Schule, mit 15 konkrete Berufsentscheidungen getroffen haben, und die ihren Beruf mit Freude und sehr erfolgreich gelernt haben und ihn auch ausüben. Hätte man diese - wie im angelsächsischen System üblich - bis zum 18. Lebensjahr irgendwie im System gehalten, ich weiß nicht, ob das gut gegangen wäre. Jedenfalls dachte ich mir nicht selten, wenn ich mit Schülern zwischen 15 und 18 in Nordamerika indirekt in Kontakt kam, was die denn in der Schule suchen (die Körpersprache zeugte so etwas von Lustlosigkeit und Langeweile) - die gehörten auf einen Lehrplatz und in den Arbeitsprozess (gut, da es diese Art von dualer Ausbildung scheinbar nur in Österreich gibt, ist das keine Option - und ehrlicherweise, so viel habe ich mitbekommen - vom handwerklicher Expertise kann hier im Großen und Ganzen eher nicht die Rede sein - Ausnahme: Emigranten aus Europa v.a. Österreich und Deutschland).
Mir kommt vor, als ginge es darum, aus einem bestehenden "Schülermaterial" einen möglichst hohen Output an Akademikern zu produzieren, um endlich in diversen (scheinbar) internationalen Rankings, die sich allesamt methodisch dem angelsächsisch-utiliaristischen Bildungsideal verpflichtet sehen, mithalten zu können. Bei allen Lippenbekenntnissen zur Individualisierung (halte ich im Munde diverser Experten und Bildungspolitikern für Leersätze), wird doch der einzelne Schüler, die einzelne Schülergruppe, die einzelnen Schule NICHT ernst- und wahrgenommen. Würde/n sie das nämlich, dann würde es gar keiner großen Reformen bedürfen - dann wären die unmittelbar Betroffenen die eigentlichen Subjekte der Reform - sogar die Experten hätten dann eine ganz große Aufgabe: diese vielen kleinteiligen Prozesse zu begleiten, zu moderieren und wenn notwendig zu akkordieren. Und die Ministerin: na, wenn sie geschickt wäre, würde sie sich statt mit den zerzauste Federn einer ebenso beschaffenen Strukturreform mit der glänzenden Krone einer Bildungsreform schmücken, mit der sie möglicherweise die erste Unterrichtministerin wäre, die auch von den "untersten Rängen" ihres Ressorts geachtet würde. Nur, und da bin ich auch davon überzeugt, Freundin des Finanzministers würde sie dabei wahrscheinlich nicht sein - aber sie ist ja nicht mal von der selben Partei - also könnte es ja wurscht sein. Die Sympathie auch schwarzer Bürgermeister würde sie allemal haben.
Noch sozusagen als Nachtrag: Gerade Hauptschulklassen vor Augen: Hahnenkämpfe, Geschlechterkampf, erste Verliebtheit, Weltschmerz, Liebeskummer, plumpe Anmache, Selbstzweifel, strenger Geruch im Klassenzimmer (v.a. nach Turnunterricht der Burschen), nicht gemachte Aufgaben, andauerndes Ausloten von Grenzen, prinzipielle Opposition, Ausprobieren von Alkohol und Nikotin (im besten Falle versteckt, weil man als Schüler wirklich noch ernste Konsequenzen fürchtet) usw. usf. - was soll es, DAS sind neben allem Gequassel von Reformdidaktik und ebensolcher Pädagogik die Wirklichkeiten des Alltags in der Sekundarstufe, mit dem haben Lehrer/innen - Schüler/innen - Eltern zu hantieren (wie schon die vergangenen Generationen auch). Und die beste Pädagogik in diesem Zusammenhang ist schlicht: gernhaben und ernstnehmen. Das andere ist dann Zugabe, die irgendwie fast von alleine kommt, wenn das eben genannte stimmt.
- Und schon wird nach vermehrter "Aufklärung" gerufen.
Gestern habe ich auf Bayern 2 eine Sendung über verschiedene Lernmethoden gehört.
- Wenn man den Referenten, Professoren und anderen so zuhört, könnte man meinen, es läge nur an der richtigen Form des Lernens, um aus jedem einen Nobelpreisträger/in, und wenn schon nicht, wenigstens einen Universitätsprofessor/in zu machen.
Als kurz auf den Punkt gebracht: Salcher und Pisa-Haider retten moderiert von Bildungsministerin Schmid die Welt.
Was ich aber immer wieder bei dieser Art von Diskussion ist folgendes: Der/die Schüler/in wird sozusagen als ein Modellobjekt begriffen, an dem nur in idealer Weise herumgebastelt werden müsse, um ein bestimmtes Ergebnis zu erreichen. Ja - der/die Schüler/in wird mechanistisch verstanden. Früher nannte man das den "Nürnberger Trichter"
Ich möchte nun nicht abstreiten, dass Reform in vielerlei Hinsicht nötig ist - nein im Gegenteil, aber mir fehlt im Ernst, den/die Schüler/in in ihren konkreten Lebensfeldern wahrzunehmen. Und da gibt es mal welche, die wollen schlicht und ergreifend nicht an diversen Unterrichtspielchen teilnehmen. Es ist schon faszinierend, dass man wahrscheinlich nur etwas länger in jeder Schule stehen müsste, und sei sie noch so modernst strukturiert, um nicht wenige Schüler/innen jammern zu hören: "Na - net schon wida der Schaß - I mog heit net Partnerarbeit - i mog schlofn - oder mit meina Nochbarin trotschn ..."
Es kann einfach ein paar Leuten in wissenschaftlich-pädagogischen Instituten partout nicht zu Bewusstsein kommen, bzw. wirklich begriffen werden, dass es nun mal eine nicht geringe Anzahl von Kindern und Jugendlichen gibt, die nicht länger beschult werden möchten als notwendig (und sei diese Beschulung noch so reformpädagogisch). Ich habe nicht wenige ehemalige Schüler vor Augen, die wahrlich nicht schlecht in der Schule, mit 15 konkrete Berufsentscheidungen getroffen haben, und die ihren Beruf mit Freude und sehr erfolgreich gelernt haben und ihn auch ausüben. Hätte man diese - wie im angelsächsischen System üblich - bis zum 18. Lebensjahr irgendwie im System gehalten, ich weiß nicht, ob das gut gegangen wäre. Jedenfalls dachte ich mir nicht selten, wenn ich mit Schülern zwischen 15 und 18 in Nordamerika indirekt in Kontakt kam, was die denn in der Schule suchen (die Körpersprache zeugte so etwas von Lustlosigkeit und Langeweile) - die gehörten auf einen Lehrplatz und in den Arbeitsprozess (gut, da es diese Art von dualer Ausbildung scheinbar nur in Österreich gibt, ist das keine Option - und ehrlicherweise, so viel habe ich mitbekommen - vom handwerklicher Expertise kann hier im Großen und Ganzen eher nicht die Rede sein - Ausnahme: Emigranten aus Europa v.a. Österreich und Deutschland).
Mir kommt vor, als ginge es darum, aus einem bestehenden "Schülermaterial" einen möglichst hohen Output an Akademikern zu produzieren, um endlich in diversen (scheinbar) internationalen Rankings, die sich allesamt methodisch dem angelsächsisch-utiliaristischen Bildungsideal verpflichtet sehen, mithalten zu können. Bei allen Lippenbekenntnissen zur Individualisierung (halte ich im Munde diverser Experten und Bildungspolitikern für Leersätze), wird doch der einzelne Schüler, die einzelne Schülergruppe, die einzelnen Schule NICHT ernst- und wahrgenommen. Würde/n sie das nämlich, dann würde es gar keiner großen Reformen bedürfen - dann wären die unmittelbar Betroffenen die eigentlichen Subjekte der Reform - sogar die Experten hätten dann eine ganz große Aufgabe: diese vielen kleinteiligen Prozesse zu begleiten, zu moderieren und wenn notwendig zu akkordieren. Und die Ministerin: na, wenn sie geschickt wäre, würde sie sich statt mit den zerzauste Federn einer ebenso beschaffenen Strukturreform mit der glänzenden Krone einer Bildungsreform schmücken, mit der sie möglicherweise die erste Unterrichtministerin wäre, die auch von den "untersten Rängen" ihres Ressorts geachtet würde. Nur, und da bin ich auch davon überzeugt, Freundin des Finanzministers würde sie dabei wahrscheinlich nicht sein - aber sie ist ja nicht mal von der selben Partei - also könnte es ja wurscht sein. Die Sympathie auch schwarzer Bürgermeister würde sie allemal haben.
Noch sozusagen als Nachtrag: Gerade Hauptschulklassen vor Augen: Hahnenkämpfe, Geschlechterkampf, erste Verliebtheit, Weltschmerz, Liebeskummer, plumpe Anmache, Selbstzweifel, strenger Geruch im Klassenzimmer (v.a. nach Turnunterricht der Burschen), nicht gemachte Aufgaben, andauerndes Ausloten von Grenzen, prinzipielle Opposition, Ausprobieren von Alkohol und Nikotin (im besten Falle versteckt, weil man als Schüler wirklich noch ernste Konsequenzen fürchtet) usw. usf. - was soll es, DAS sind neben allem Gequassel von Reformdidaktik und ebensolcher Pädagogik die Wirklichkeiten des Alltags in der Sekundarstufe, mit dem haben Lehrer/innen - Schüler/innen - Eltern zu hantieren (wie schon die vergangenen Generationen auch). Und die beste Pädagogik in diesem Zusammenhang ist schlicht: gernhaben und ernstnehmen. Das andere ist dann Zugabe, die irgendwie fast von alleine kommt, wenn das eben genannte stimmt.
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Dienstag, 12. Mai 2009
Mein Dauerbrenner - Bildungspolitik
Weil es wieder durch den Blätterwald rauscht - diesmal ein paar Fragen:
- Wer macht Schulreform?
Die Lehrergewerkschaft? Die Ministerin? Die Zeitungen (allen voran der Kurier mit dem Salcher)? Die Professoren an den Pädagogischen Instituten an den Unis? Die Parteisekretariate? - Ganz egal: eines ist gewiss: Schulreform wird sicher nicht dort maßgeblich entwickelt, wo sie geschehen soll.
- Was ist eigentlich das Ziel der "Schulreform"?
- Hat sich überhaupt schon mal jemand gefragt, was überhaupt das Ziel der Institution Schule an sich ist?
- Und um einen anderen Ausdruck hier einzubringen: Was ist Bildung? Und warum fällt so selten das Wort Bildung (ich unterstelle hier durchaus Absicht)?
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Freitag, 8. Mai 2009
Bildungsvergleiche - Rankings - und anderer Schlagzeilenunsinn / eine Neuauflage eines alten Beitrags
Schon im Herbst habe ich dazu geschrieben, aber angestoßen durch die gestrige Schlagzeile vom Ausstieg Österreichs aus dem CERN ist mir rein assoziativ noch mal ein anderer Gedanke gekommen.
Es herrscht immer wieder die Klage, dass gerade in Österreich (und auch in Deutschland) es keine Spitzenforschung gäbe. Dabei wird dann immer wieder das Schulsystem angeklagt. Ich persönlich bezweifle aber, dass dies eine Frage des Systems und der Struktur ist. Möglicherweise ist die Berichterstattung und die daran anschließende öffentliche bzw. auch politische Meinungsbildung selber ein Teil des Problems.
Ich versuche mal darzustellen, worin meines Dafürhaltens die Stärken des österreichischen Bildungssystems stecken:
Es herrscht immer wieder die Klage, dass gerade in Österreich (und auch in Deutschland) es keine Spitzenforschung gäbe. Dabei wird dann immer wieder das Schulsystem angeklagt. Ich persönlich bezweifle aber, dass dies eine Frage des Systems und der Struktur ist. Möglicherweise ist die Berichterstattung und die daran anschließende öffentliche bzw. auch politische Meinungsbildung selber ein Teil des Problems.
Ich versuche mal darzustellen, worin meines Dafürhaltens die Stärken des österreichischen Bildungssystems stecken:
- Allgemeinbildung: Der so oft wegen seines Umfangs kritisierte Fächerkanon an österreichischen Schulen vermittelt bei aller Reformbedürftigkeit einen auf ein breites Spektrum angelegte Bildung. Wenn ich an meine Schüler/innen denke, dann haben sie Gelegenheit über Naturwissenschaften und Mathematik genau so viel zu erfahren wie über Geschichte, Geographie aber auch Musik und Kunstgeschichte ... - Schule nicht nur eine Kaderschmiede für bestimmte gerade als nützlich erkannter Bereiche, sondern auch eine Schule der Bildung in einem umfassenden, humboldt'schen Sinne.
- Lebenspraktisch und Berufsorientiert: Ich weiß schon, da sind viele Gewerbetreibende und Industrielle möglicherweise anderer Überzeugung - aber im Vergleich stehen unsere Schulabgänger im Alter von 15 Jahren um vieles besser da, als jene in anderen Ländern. Was ich von meinen Schülerinnen und Schülern an meiner Hauptschule im Waldviertel erwarten kann, und was hier, das ist ein haushoher Unterschied. Schlicht und ergreifend, im angelsächsischen Schulsystem ist Lebenstüchtigkeit mit 15 so gut wie ausgeschlossen. Die Schüler/innen werden bis 18 im System gehalten, bekommen dann einen High-School Abschluss, mit dem sie so gut wie nichts anfangen können außer an einem College zu studieren - und hier gilt auch wieder: Wettbewerb ist alles - was ist aber mit jenen, die nicht 100% den Wettbewerbsregeln entsprechen können...
Eine weiter Spezialität des österreichischen Bildungwesen sind die diversen Höheren Lehranstalten - besonders jene im technischen und im touristischen Bereich sind weltweit praktisch ohne Vergleich. 5 harte Jahre sind die Jugendlichen hier herausgefordert - aber am Ende stehen sie als Fachleute da, die im angelsächsischen Raum schon als Akademiker gelten würden (wären sie älter und würde das ganze College heißen und mit einem Backalaureat abschließen). Diese Spezialität im österreichischen Bildungswesen ist so einzigartig, dass es kaum möglich ist, sie Nichtösterreichern zu erklären - abgesehen davon, dass es praktisch mangels Korrelation unmöglich ist diesen Schultyp griffig in eine andere Sprache zu übersetzen. - Offen für außerschulisches Engagement: Gerade bis zum 14. Lebensjahr ermöglicht der an den meisten Schulen nur Vormittags stattfindende Unterricht den Kindern, sich auf breitere Weise auch außerhalb der Schule einzubringen (und wer nicht in eine HTL geht und in einem Internat leben muss, kann das unter der Woche sogar weiter pflegen). Was Kinder und Jugendliche hier in den einzelnen Gemeinden im Rahmen der Musikschulen, Musikvereine, Feuerwehr, Jungschar, Jugendrotkreuz u.ä. leisten, wird in der ganzen Bildungsdebatte viel zu wenig gewürdigt, ist aber nichts desto trotz herausragend. So nebenbei: würde eine ganztägige Beschulung von Kindern und Jugendlichen flächendeckend eingeführt, würde es im Bereich der ehrenamtlichen Arbeit in den Gemeinden über kurz oder lang zu gravierenden und wahrscheinlich nicht zum Besseren tendierenden Veränderungen kommen.
- Jedenfalls meine ich, dass sich gerade an österreichischen Schulen eine humanistische Tradition erhalten konnte, die in vielen anderen Teilen der Welt möglicherweise nie in solcher Breite vorhanden war bzw. verschwunden ist.
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Österreich steigt aus dem CERN aus ...
... das musste ich heute im Kurier lesen. Minister Hahn schwätzt da etwas von einer Art Frontbegradigung. Ein Minister der ÖVP die keine Probleme hatte vor Jahren unnötiges Geld für Abfangjäger rauszuschmeißen, geizt auf einmal an im Vergleich zu eben angeführten Ausgaben lächerlichen 16 Mio. herum. Arm sind wir dran. Grundlagenforschung wird in unserem Land schon seit Jahren ausgehungert, dafür schwätzt immer von der so segensreichen angewandten Forschung.
Ich weiß, ich bin ein alter Idealist und Träumer, aber statt dem 110. Forschungsprojekt zur Umkehrung irgendeiner Andockstelle im Mitochondrium A zur Gewinnung eines - was weiß ich was - sprich statt der elendiglichen Erbsenzählerei für irgendwelche Firmen, hat Forschung für mich immer noch etwas mit Entdecken von GRUNDLEGENDEM zu tun. Und wenn sich nun die österreichische Forschung tatsächlich von der vordersten Front der Gewinnung von ERKENNTNIS zurückzieht, dann ist das schon mehr als ein Armutszeugnis - und bei den anstehenden Experimenten im CERN geht es um wirklich Grundlegendes: Woher kommt die Masse (Higgsfeld - und das korrespondierende Teilchen); was macht 20% der Masse des Universums - die Dunkle Materie - aus (an die restlichen 70% mag man ja noch gar nicht denken - Stichwort Dunkle Energie) - es geht wirklich um die faust´sche Frage, was die Welt im innersten zusammenhält. Nur der Hahn sagt, lasst uns Erbsen zählen, weil das kann man viel besser verkaufen - nix gegen Krämer, aber das was eine Krämerseele ist, hat in der Forschungspolitik nix verloren. Also Gio - Krämer oder Wissenschaftsminister?
Wenn jetzt auf diesem Hintergrund auch noch Bildungsreform stattfindet - na pfiat di Gott, Humboldt, Kant, und Co. Es lebe die akademisch verbrämte Erbsenzählerei nach dem Bolognaprozess. Universität ade!
Ich weiß, ich bin ein alter Idealist und Träumer, aber statt dem 110. Forschungsprojekt zur Umkehrung irgendeiner Andockstelle im Mitochondrium A zur Gewinnung eines - was weiß ich was - sprich statt der elendiglichen Erbsenzählerei für irgendwelche Firmen, hat Forschung für mich immer noch etwas mit Entdecken von GRUNDLEGENDEM zu tun. Und wenn sich nun die österreichische Forschung tatsächlich von der vordersten Front der Gewinnung von ERKENNTNIS zurückzieht, dann ist das schon mehr als ein Armutszeugnis - und bei den anstehenden Experimenten im CERN geht es um wirklich Grundlegendes: Woher kommt die Masse (Higgsfeld - und das korrespondierende Teilchen); was macht 20% der Masse des Universums - die Dunkle Materie - aus (an die restlichen 70% mag man ja noch gar nicht denken - Stichwort Dunkle Energie) - es geht wirklich um die faust´sche Frage, was die Welt im innersten zusammenhält. Nur der Hahn sagt, lasst uns Erbsen zählen, weil das kann man viel besser verkaufen - nix gegen Krämer, aber das was eine Krämerseele ist, hat in der Forschungspolitik nix verloren. Also Gio - Krämer oder Wissenschaftsminister?
Wenn jetzt auf diesem Hintergrund auch noch Bildungsreform stattfindet - na pfiat di Gott, Humboldt, Kant, und Co. Es lebe die akademisch verbrämte Erbsenzählerei nach dem Bolognaprozess. Universität ade!
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Dienstag, 28. April 2009
Ich weiß nicht, ob das wer verfolgt hat ...
... aber am vergangenen Sonntag gab es in der Stadt Berlin ein Volksbegehren zur Wiedereinführung des obligaten konfessionellen Religionsunterrichtes als zusätzliches Alternativangebot zum verpflichtenden Ethikunterricht. Dazu einmal die Ausgangslage (soweit ich sie verstanden habe und vor allem in Kürze)
Die Rot - Rote Koalition in der Stadtregierung Berlins hat vor 3 Jahren einen allgemein verpflichtenden Ethikunterricht anstatt des konfessionellen Religionsunterrichtes eingeführt - der konfessionelle Religionsunterricht bleibt als zusätzlich wählbares Freifach als Angebot an den Schulen.
Nun haben die anerkannten Religionsgemeinschaften in Berlin ein Volksbegehren zur Wiedereinführung des obligaten Religionsunterrichtes als Alternative zum verpflichtenden Ethikunterricht initiiert. Zur Verdeutlichung: es geht darum, dass für Schüler mit entsprechendem Bekenntnis der Religionsunterricht regulär während der normalen Unterrichtszeit angeboten wird unbeschadet des Rechtes, sich von diesem abmelden zu können, um am Ethikunterricht teilzunehmen.
Jedenfalls ist dieses Volksbegehren gescheitert - einerseits am Quorum an sich (zu wenige Teilnehmer) und auch innerhalb des Quorums wurden die Initianden knapp, aber doch, geschlagen.
Das aber nur einmal sozusagen als Aufhänger. Was mich viel mehr interessiert ist die grundlegende Frage:
Ist es möglich, eine Ethik zu unterrichten, ohne auf weltanschauliche Wurzeln zurückgreifen zu können? - Das ist ja die Idee dieses scheinaufklärerischen Gedankens: Dass ethisches Handeln sozusagen "wertneutral" vermittelt werden kann - sozusagen als eine Metareligion - eine Überreligion.
Ich möchte jetzt hier sicher nicht versuchen, eine Art allgemein gültige Grundlegung der Ethik niederzuschreiben, aber ein paar Eckpfeiler möchte ich einfach zur Diskussion stellen.
A) Auf welchen Grundlagen kann eine weltanschaulich neutrale Ethik aufbauen?
Na, da könnte man mal mit dem kategorischen Imperativ Kants beginnen: Handle immer so, dass die Maxime deines Handelns Grundlage allgemein menschlicher Gesetzgebung sein kann (oder so ähnlich). Das hört sich mal gut (und vor allem recht gescheit an) - könnte man aber auch formulieren: Was du nicht willst, dass man dir tu, das füg´ auch keinem ander´n zu! - Kommt einmal auf das selbe raus und findet sich in allen möglichen Varianten (auch in der Hl. Schrift) eigentlich in fast jedem Kulturkreis. Aber der Hasenfuß liegt wie so oft im Detail: Was ist nämlich menschlich? Und schon der Begriff Menschlichkeit erfährt in anderen Kulturen schon eine andere Auslegung. Der Hasenfuß ist, dass sich hier der Mensch in seiner zeitlichen und geschichtlichen Gewordenheit selbst zum Maßstab macht. Damit kann man in den meisten Fällen ganz gut leben, aber gerade in unseren Tagen, erfährt die Definition des Menschen massive Anfragen: Genmanipulation, Abtreibung, Euthanasie - das sind alles Begriffe, die uns eigentlich wachrütteln müssten. Hier beginnt schleichend die Manipulation des Begriffes menschlich (im Sinne, wie er im kategorischen Imperativ gebraucht wird).
Auch wird in eben diesem Zuge des selbst bestimmten Menschen, die Würde des Menschen zum Objekt des Selbstbestimmten - und wer kann im Zuge der möglicherweise demokratisch legitimierten Selbstbestimmung verhindern, dass die Selbstbestimmer bestimmen, wer nun würdig ist, selbst zu bestimmen? Ich weiß schon - ich sollte lieber Englisch üben, als mein Deutsch an die Grenzen des gerade noch Aussagbaren zu führen. Eines wird aber deutlich: eine Ethik, die sich krampfhaft aus sich selbst heraus zu bestimmen sucht, ohne sich bewusst zu sein, dass es ihr letztlich an jener Begründung fehlt, die sich außerhalb ihrer selbst findet, läuft selbst Gefahr jener Versuchung zum Totalitarismus zu erliegen, gegen den sie eigentlich anzutreten sucht.
B) konfessioneller Religionsunterricht und säkular vermittelter Ethikunterricht als jeweils alternative Angebote an den Schulen
Auch hierzulande, in der Alpenrepublik, gab und gibt es immer wieder Diskussionen zur Einführung eines obligaten Ethikunterrichts für jene Schüler, die entscheiden, sich vom konfessionellen Religionsunterricht abzumelden. Ich könnte dafür ganz gute Gründe finden, wenn auch klar sein müsste, worin nun diese "Ethik" bestehen sollte. Zum einen halte ich schon mal den Begriff "Ethik" als Alternative zu "Religion" äußerst bedenklich, weil er Religion selbst zu einer Art Ethik degradiert. Das mag nun natürlich in einem Land, das, obwohl schon über 200 Jahre vorbei, noch immer so etwas wie einen josephinistischen Geist in sich birgt, verständlich sein, aber verkürzt in gerade dieser - josephinistischen Denkweise - Sinn und Wesen des Phänomens "Religion" auf "Garant sittlichen Handelns".
So gesehen kann man nun dem Fach "Religion" (welcher Konfession auch immer) höchstens ein Fach: "Philosophisch-Geistesgeschichtlich begründete Lebenskunde mit Übungen zur praktischen ethischen Entscheidungsfindung" als möglicherweise ähnliche Lebensbereiche abdeckend zur Seite stellen (wie das in der Volksschule auszusehen hat - da können schon ein paar Leute mal nachdenken *lol*).
Und es bliebe noch immer das grundsätzliche Problem, dass die weltanschaulich neutrale Körperschaft selber zur Weltanschauung wird, ohne sich dessen bewusst zu sein ... - typische Katze-sich-selbst-in-den-Schwanz-beiß-Situation ...
possibly to be continued
Die Rot - Rote Koalition in der Stadtregierung Berlins hat vor 3 Jahren einen allgemein verpflichtenden Ethikunterricht anstatt des konfessionellen Religionsunterrichtes eingeführt - der konfessionelle Religionsunterricht bleibt als zusätzlich wählbares Freifach als Angebot an den Schulen.
Nun haben die anerkannten Religionsgemeinschaften in Berlin ein Volksbegehren zur Wiedereinführung des obligaten Religionsunterrichtes als Alternative zum verpflichtenden Ethikunterricht initiiert. Zur Verdeutlichung: es geht darum, dass für Schüler mit entsprechendem Bekenntnis der Religionsunterricht regulär während der normalen Unterrichtszeit angeboten wird unbeschadet des Rechtes, sich von diesem abmelden zu können, um am Ethikunterricht teilzunehmen.
Jedenfalls ist dieses Volksbegehren gescheitert - einerseits am Quorum an sich (zu wenige Teilnehmer) und auch innerhalb des Quorums wurden die Initianden knapp, aber doch, geschlagen.
Das aber nur einmal sozusagen als Aufhänger. Was mich viel mehr interessiert ist die grundlegende Frage:
Ist es möglich, eine Ethik zu unterrichten, ohne auf weltanschauliche Wurzeln zurückgreifen zu können? - Das ist ja die Idee dieses scheinaufklärerischen Gedankens: Dass ethisches Handeln sozusagen "wertneutral" vermittelt werden kann - sozusagen als eine Metareligion - eine Überreligion.
Ich möchte jetzt hier sicher nicht versuchen, eine Art allgemein gültige Grundlegung der Ethik niederzuschreiben, aber ein paar Eckpfeiler möchte ich einfach zur Diskussion stellen.
A) Auf welchen Grundlagen kann eine weltanschaulich neutrale Ethik aufbauen?
Na, da könnte man mal mit dem kategorischen Imperativ Kants beginnen: Handle immer so, dass die Maxime deines Handelns Grundlage allgemein menschlicher Gesetzgebung sein kann (oder so ähnlich). Das hört sich mal gut (und vor allem recht gescheit an) - könnte man aber auch formulieren: Was du nicht willst, dass man dir tu, das füg´ auch keinem ander´n zu! - Kommt einmal auf das selbe raus und findet sich in allen möglichen Varianten (auch in der Hl. Schrift) eigentlich in fast jedem Kulturkreis. Aber der Hasenfuß liegt wie so oft im Detail: Was ist nämlich menschlich? Und schon der Begriff Menschlichkeit erfährt in anderen Kulturen schon eine andere Auslegung. Der Hasenfuß ist, dass sich hier der Mensch in seiner zeitlichen und geschichtlichen Gewordenheit selbst zum Maßstab macht. Damit kann man in den meisten Fällen ganz gut leben, aber gerade in unseren Tagen, erfährt die Definition des Menschen massive Anfragen: Genmanipulation, Abtreibung, Euthanasie - das sind alles Begriffe, die uns eigentlich wachrütteln müssten. Hier beginnt schleichend die Manipulation des Begriffes menschlich (im Sinne, wie er im kategorischen Imperativ gebraucht wird).
Auch wird in eben diesem Zuge des selbst bestimmten Menschen, die Würde des Menschen zum Objekt des Selbstbestimmten - und wer kann im Zuge der möglicherweise demokratisch legitimierten Selbstbestimmung verhindern, dass die Selbstbestimmer bestimmen, wer nun würdig ist, selbst zu bestimmen? Ich weiß schon - ich sollte lieber Englisch üben, als mein Deutsch an die Grenzen des gerade noch Aussagbaren zu führen. Eines wird aber deutlich: eine Ethik, die sich krampfhaft aus sich selbst heraus zu bestimmen sucht, ohne sich bewusst zu sein, dass es ihr letztlich an jener Begründung fehlt, die sich außerhalb ihrer selbst findet, läuft selbst Gefahr jener Versuchung zum Totalitarismus zu erliegen, gegen den sie eigentlich anzutreten sucht.
B) konfessioneller Religionsunterricht und säkular vermittelter Ethikunterricht als jeweils alternative Angebote an den Schulen
Auch hierzulande, in der Alpenrepublik, gab und gibt es immer wieder Diskussionen zur Einführung eines obligaten Ethikunterrichts für jene Schüler, die entscheiden, sich vom konfessionellen Religionsunterricht abzumelden. Ich könnte dafür ganz gute Gründe finden, wenn auch klar sein müsste, worin nun diese "Ethik" bestehen sollte. Zum einen halte ich schon mal den Begriff "Ethik" als Alternative zu "Religion" äußerst bedenklich, weil er Religion selbst zu einer Art Ethik degradiert. Das mag nun natürlich in einem Land, das, obwohl schon über 200 Jahre vorbei, noch immer so etwas wie einen josephinistischen Geist in sich birgt, verständlich sein, aber verkürzt in gerade dieser - josephinistischen Denkweise - Sinn und Wesen des Phänomens "Religion" auf "Garant sittlichen Handelns".
So gesehen kann man nun dem Fach "Religion" (welcher Konfession auch immer) höchstens ein Fach: "Philosophisch-Geistesgeschichtlich begründete Lebenskunde mit Übungen zur praktischen ethischen Entscheidungsfindung" als möglicherweise ähnliche Lebensbereiche abdeckend zur Seite stellen (wie das in der Volksschule auszusehen hat - da können schon ein paar Leute mal nachdenken *lol*).
Und es bliebe noch immer das grundsätzliche Problem, dass die weltanschaulich neutrale Körperschaft selber zur Weltanschauung wird, ohne sich dessen bewusst zu sein ... - typische Katze-sich-selbst-in-den-Schwanz-beiß-Situation ...
possibly to be continued
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