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Donnerstag, 14. März 2013

Habemus Papam!!!

Wir haben einen neuen Papst.
Der erste Eindruck, den ich von ihm hatte: Der Mann ist wirklich ein Mann des Kirchenvolkes - schon alleine die schlichten Worte (ich kann nicht Italienisch - aber irgendwie konnte ich auch unabhängig von der TV Übersetzung erkennen, was er sprach) am Balkon, mit denen er die Menschen begrüßte und um ein Gebet für den emeritierten Papst und im Anschluss für sich selbst bat - haben mich beeindruckt - und das will was bei mir heißen - so leicht beeindruckt mich nicht so schnell etwas oder jemand (auch keine kirchlichen Purpurträger bzw. auch Weißträger).
Bin jedenfalls gespannt, was von ihm ausgehen wird ...

Dienstag, 12. März 2013

Schüller ist exkommuniziert ...

... schreibt ein billiges Blättlein, das in die Pfarrhöfe ungefragt reingeflutet ist. Wow - sogar ein Kirchenrechtler hat das gesagt (Jg. 1928 - einschlägige Kirchengeschichte; kann man in einem Konflikt jedem vorwerfen); es geht hiebei um eine Exkommunikation gemäß § 1364 als Tatstrafe (wegen Missachtung der Unterordnung unter dem Papst).

Möchte da nicht weiter darauf eingehen - wenn aber die entsprechende Rechtsfigur gilt, dann machen sich alle Instanzen der Römisch Katholischen Kirche inkl. der Kurie mitschuldig weil sie gerade nicht die umgehende Entlassung aus dem Klerikerstand verfügen - und das nicht nur Schüller, sondern allen Unterzeichnern des entsprechenden Manisfestes - möglicherweise zieht eine dergestalte Duldung ja auch eine Exkommunikation als Tatstrafe nach sich ... das weiterzudenken macht richtig Spass.

Und das beste an der Sache ist, dass eine Suspendierung kirchenamtlicherseits die Verpflichtung zu einer entsprechenden Appanage des Suspendierten nicht aufhebt. Na ist das lustig

Im Ernst: Diese selbsternannten Retter/innen der Katholika sind massiv durchgeknallt - was wird nur passieren, wenn sich mit dem neuen Papst der Wind nur ein wenig dreht? Bin gespannt ...

Mittwoch, 6. März 2013

Lebendige Pfarrgemeinden...

... sind die Quelle einer Kirche, die Salz sein will in der Welt. Und im Gegensatz zu den üblich verdächtigen kirchlichen Purpurträgern, braucht es in unserer immer größeren und zu gleich kleiner werdenden Welt eine gar nicht so knappe Menge Salz, um Welt und Gesellschaft zu salzen (um im Bild des Evangeliums zu bleiben).

Der Purpurpastoralplan aber meint, sein Heil in den sogenannten Kleinen Geistlichen Gemeinschaften zu finden, Gruppen, denen ich mal unterstelle (wahrscheinlich bis zu einem gewissen Grad mag auch Vorurteil dabei sein):
  • selbstreferenziell zu sein - also es dringt von außen - fast - gar nichts hinein
  • kritisch vor allem gegen alle, die nicht auf deren Wellenlänge sind
  • immer in Gefahr, sich selbst zu überhöhen
  • gesellschaftlich von enden wollender Relevanz zu sein (weil im Besitz der Wahrheit sich wähnend eine Auseinandersetzung mit der Weltwirklichkeit nicht wirklich Ziel führen scheinen mag)
  • mehr oder weniger ausgrenzend und spirituell arrogant gegenüber jenen, die "ihrer Wahrheit" nicht 100% zustimmen bzw. diese als eine unter viele betrachten
Ich denke jedenfalls, dass Pfarrgemeinden jener Ort sein sollen, wo die getauften Katholiken/Katholikinnen/Christinnen/Christen spirituelle Begegnung finden sollen, ohne gleich mal hohe spirituelle Hochseilakrobaten sein zu müssen. Pfarrgemeinden vor allem auch Orte, wo auch jene Geborgenheit erfahren, die auch in ihrer derzeitigen Lebenssituation lieber "hinter den Säulen" sitzen möchten.

Ich sehe mich mal auf der Seite der zuletzt angesprochenen. Es gilt den Glauben in die Lebenswelten der Menschen hineinzutragen - so wichtig spezielle geistliche Angebote auch sein mögen - autenthisch muss der Glaube nicht in erster Linie in Bibelabenden und Gebetskreisen sondern im Alltag gelebt werden. Dazu ein Gebet der Theresa von Avila:

Herr der Töpfe und Pfannen - 
Theresa von Avila

Herr der Töpfe und Pfannen,
ich habe keine Zeit,
eine Heilige zu sein
und Dir zum Wohlgefallen
in der Nacht zu wachen,
auch kann ich nicht meditieren
in der Morgendämmerung
und im stürmischen Horizont.

Mache mich zu einer Heiligen,
indem ich Mahlzeiten zubereite
und Teller wasche.
Nimm an meine rauen Hände,
weil sie für Dich
rau geworden sind.
Kannst Du meinen Spüllappen
als einen Geigenbogen gelten lassen,
der himmlische Harmonie
hervorbringt auf einer Pfanne?
Sie ist so schwer zu reinigen
und ach, so abscheulich!

Hörst Du, lieber Herr,
die Musik, die ich meine?
Die Stunde des Gebetes ist vorbei,
bis ich mein Geschirr
vom Abendessen gespült habe,
und dann bin ich sehr müde.
Wenn mein Herz noch am Morgen
bei der Arbeit gesungen hat,
ist es am Abend schon längst
vor mir zu Bett gegangen.
Schenke mir, Herr,
Dein unermüdliches Herz,
dass es in mir arbeite statt des meinen.

Mein Morgengebet
habe ich in die Nacht gesprochen
zur Ehre Deines Namens.
Ich habe es im voraus gebetet
für die Arbeit des morgigen Tages,
die genau dieselbe sein wird
wie heute.
Herr der Töpfe und Pfannen,
bitte darf ich Dir
anstatt gewonnener Seelen
die Ermüdung anbieten,
die mich ankommt
beim Anblick von Kaffeesatz
und angebrannten Gemüsetöpfen?

Erinnere mich an alles,
was ich leicht vergesse;
nicht nur um Treppen zu sparen,
sondern, dass mein
vollendet gedeckter Tisch
ein Gebet werde.
Obgleich ich Martha-Hände habe,
hab' ich doch ein Maria-Gemüt,
und wenn ich die schwarzen Schuhe putze,
versuche ich, Herr,
Deine Sandalen zu finden.
Ich denke daran,
wie sie auf Erden gewandelt sind,
wenn ich den Boden schrubbe.

Herr, nimm meine Betrachtung an,
weil ich keine Zeit habe für mehr.
Herr, mache Dein Aschenbrödel
zu einer himmlischen Prinzessin;
erwärme die ganze Küche
mit Deiner Liebe
und erleuchte sie mit Deinem Frieden.
Vergib mir, dass ich mich absorge,
und hilf mir, dass mein Murren aufhört.
Herr, der Du das Frühstück am See
bereitest hast, vergib der Welt,
die da sagt: "Was kann denn
aus Nazareth Gutes kommen?"
Nicht das ich meine, alles und jedes schon erfasst zu haben - und ich wähne mich schon gar nicht, ein kontemplativer Mensch vom Zuschnitt einer Hl. Theresa zu sein - aber ich denke obiges Gebet einer durch und durch mysthisch Begabten hat doch etwas befreiendes ...

Freitag, 1. März 2013

Salbadern -

- eine neue theologische Sprachform. Papst Benedikt XVI hat abgedankt und ist in Pension gegangen - recht so - er ist 85 und darf das. Was mich fasziniert (erschrecken oder verwundern tut mich ja nicht mehr so schnell was in meiner Mutter Kirche) ist die Art und Weise wie verschiedenorts mit dieser all zu menschlichen Entscheidung umgegangen wird - ok, die spätpubertären Respektlosigkeiten irgendwelcher selbsternannt kritischer Blättlein lass ich mal draußen vor - das spricht sowieso für sich.

Vielmehr fasziniert mich der Ton verschiedener "Fans" des Papstes. Abgesehen mal davon, dass der Papst Fans zu haben scheint - ich finde es äußerst befremdlich, wenn Menschen angesichts der Erklärung des Rücktritts eines alten, meinetwegen auch verdienten Mannes, "erschüttert" sind. Erschüttert bin ich normalerweise wenn ein Kind verstirbt, oder eine Mutter oder wer auch immer. Erschüttern tun mich Katastrophen, wenn ich in sie irgendwie involviert werde - und sei es nur durch einen gut gemachten Filmbeitrag - aber der selbst entschiedene Rücktritt eines Papstes kann mich wirklich nicht erschüttern - höchstens verblüffen (was ich auch war). Und dann legt die Salbaderei so richtig los - der größte Theologe - Und? Rahner, Metz und und und - waren das keine?

Und dann: Papst Benedikt schenkte uns: - was? Eine Enzyklika, ein Buch ... - verrückt geworden? Geschrieben hat er - sonst mal nix. Und was später daraus wird, wird die Geschichte zeigen und nicht das "Besalbadern" durch zweitklassige Doktores der Theologie, die sich durch übermäßiges Zitieren von Ratzinger in den letzten Jahren die Anerkennung von Purpurträgern erwirtschaftet haben.

Und die immer häufiger anzutreffende Argumentationfigur "argumentum ex auctoritate" - was soll das? Entweder es ist etwas wahr - und dann kann's auch die Wettitant und der Huberfranzl verkünden - oder etwas ist nicht wahr, dann hilft auch nicht, ob's der Papst oder eine andere Autorität verkündet (wobei nicht gesagt sein will, dass der Papst unwahres gesagt hätte - aber vielleicht war so manches nicht ganz ohne persönliches Interesse - wo ein solches unter Verweis auf die päpstliche Autorität in Abrede gestellt wurde - zumindest mal von Seiten der üblich verdächtigen Rezipienten - in Österreich konzentrieren die sich auf eine theologische Lehranstalt inmitten des Wienerwaldes).

Ich kann mich noch erinnern, als wäre es erst voriges Jahr geschehen. Während meiner Ausbildung - damals noch im Wiener Priesterseminar - hatten wir sogenannte Hausstunden mit unserem zuständigen Jahrgangsbetreuer - damals Petrus Bsteh - ein wirklich brillianter theologischer Geist. In Hausstunden fand durch ihn gewissermaßen eine pointierte Synthese der Theologie statt - war immer sehr spannend und sorgte für Gesprächstoff. Eines Tages formulierte er - 1987! - dass Ratzinger hoffentlich nie Papst werden würde. Auf die Frage warum unsererseits, antwortete er (ich hoffe ihn sinngemäß richtig wiederzugeben), dass es nicht gut sei, dass ein schulbildender Theologe lehramtlich den ersten Platz einnimmt, weil sich damit seine Theologie quasi automatisch dem kritischen Diskurs entziehe. Und was ist geschehen: Es wird nachgebetet und Ratzinger (vor allem der späte und das auch gerne in von Interesse geleiteter Auswahl) zum Maßstab von Fundamentaltheologie und Dogmatik gemacht - und ja, sogar von der Exegese (wo seine Expertise eine eher enden wollende ist - nach objektiven Maßstäben - ach so, ganz vergessen - objektiv ist, was seine Claqueure als objektiv erklären ...).

Jedenfalls meine ich, dass Benedikt mit seinem Rücktritt wahrscheinlich den theologisch bedeutensten Schritt gesetzt hat - das Papstamt wieder auf eine menschliche Ebene geholt zu haben - möglicherweise ein weises Korrektiv zu "Pastor aeternus" von Vat I - jedenfalls haben vor allem Dogmatiker jetzt mal was zu verdauen ...

Und ja - ich bin neugierig, was der neue Papst bringen wird. Just wait and look ...

Mittwoch, 19. Oktober 2011

Schon wieder so ein "Genetivjahr" ...

... Jetzt haben wir ein Jahr des Glaubens - freue mich schon auf das Übliche: Große Reden, diverse bemühte bischöfliche Erklärungen, meist nur von Rom vorgeschriebenes halbherzig nacherzählend, Monsterveranstaltungen zur Selbstvergewisserung der immer Selben, ätzende Postings meinerseits *ggg*, die Kommentare werden auch wieder sehr berechenbar sein ...
Also: Business as usual - und irgendwann schreiben wir das Jahr 2014 und das nächste Genetivjahr wird ausgerufen (mit dem selben Effekt) ...
So lange wir in der Kirche mit dem Wie so intensiv beschäftigt sind, werden wir nur schwerlich an das herankommen, was wirklich Glaube meint - nämlich das ganz unprätentiöse Herantasten an jene Wirklichkeit, die unser ganzes Leben zu tragen vermag, die, wenn wir sie in unser Leben reinlassen, unser ganzes Leben durchwirkt, die in Jesus Christus voll und ganz Mensch geworden, uns im Hl. Geist zu einer neuen Wirklichkeit verbindet (Leib Christi ..., Volk Gottes ... - alles Sprachbilder für eine Wirklichkeit die wir letztlich nicht fassen, in die wir aber wohl eintauchen können) ....

Sonntag, 25. September 2011

Ich habe gerade eine Papstrede gelesen ...

 ... nämlich diese hier: http://www.kathpress.at/site/nachrichten/database/41802.html
Irgendwie nix neues - die Krise der Kirche allen möglichen Strukturen, Umständen, natürlich seinem Steckenpferd Relativismus und schön verklausuliert, allen jenen in die Schuhe zu schieben, die nicht seiner Meinung sind. Nur einer und eine Struktur bleibt schön draußen vor: Er selbst als Person (bzw. sein Vorgänger) und/oder sein Personal (vor allem jenes, das in Rom sitzt).

Ich habe es einfach satt, wenn ich (und mit mir sehr viele in der Kirche - trau mich zu sagen, die meisten) in diversen Verlautbarungen kirchlich offizieller Natur permanent in das Eck ungläubiger Relativierer gestellt werde. Hat von diesen Typen, die dafür verantwortlich sind, angefangen vom Papst bis hin zu diversen Bischöfen (wohlweislich nicht allen) sich schon jemals einer die Mühe gemacht, wirklich offen zuzuhören. Und kommt mir jetzt nicht mit dem üblichen Blabla von Gehorsam und so - unsereiner tut schon den Gehorsam - meist mehr als nicht wenige von jenen, die diesen meist wortgewaltig vor sich herposaunen (wollt ihr wissen wer: Na ja, da wäre mal der ehemalige Pfarrer von XY . jetzt bezieht er schon seine Priesterpension in Polen, na ja und da war doch mal ein Bischof - sogar Erz - unter welchem Gehorsam hat er im Knabenseminar etwas zu intensiv Aufklärung getrieben? ... Die Liste ließe sich fortsetzen - auf Anfrage werde ich sie sehr präzise beantworten - wenn gewollt auch auf diesem Blog).

Liebe Oberpfarrer - Mach ma halt einmal so eine richtige Synode - lassen wir mal den Hl. Geist so richtig ran; so dass es uns ALLE (auch Papst und Bischöfe) so richtig durchbeutelt - wäre mal gespannt was da rauskäme. Ich denke mal so: wenn es  allen ein wenig weh tun würde (vor allem in Bezug der je eigenen Vögelchen - die ja nicht selten von deren Eigentümern für den Hl. Geist gehalten werden) und insgesamt aber den Geist des Aufbruches atmen  - dann werden wir schon richtig sein ... Aber gleich vorweg - es wird wahrscheinlich jenseits von Amtsdebatten (nach dem Motto wer darf was) und gehorsamen Hallelujaschlumpfen im Jonasreindl; jenseits von klerikalem Trachtenverein und leidlich theologisch verbrämter Sozialromantik sein.

Donnerstag, 22. September 2011

Eine Metapher auf EB Schönborn und die meisten seiner Kollegen ...

... zumindest die Argumentationstechnik des "Königs" kommt mir sehr bekannt vor



Freitag, 16. September 2011

Aneinander Vorbeireden ...

... wird in der aktuellen Kirchendebatte von allen Seiten zelebriert. Die Proponenten der Pfarrer-Initiative veröffentlichen einen Forderungskatalog, der neben vielen in relativ kurzer Zeit abhandelbaren Themen (Gemeindeleitung durch Laien, Wortgottesfeiern "als Erfüllung der Sonntagspflicht" anerkennen, Zulassung wiederverheirateter Geschiedener [unter welchen Bedingungen auch immer] auch Forderungen enthält, die in diesem Ponitifikat sicher nicht gelöst werden (können) - ginge ja auch nicht ohne Gesichtsverlust ... - jedenfalls wird ein Paket hingeknallt, von dem schon im Vorhinein klar ist, dass es so nicht erfüllt werden wird können.
Die Bischöfe - zumindest mal Küng, Schönborn und Kappelari und in der Rolle des losgelassenen Kettenhundes Altabt Henckel-Donnersmark - machen mehr oder weniger schroff die Mauer. Wenn das nun wirklich so weitergeht, dann beginnen alle miteinander im Glauben an ihre je eigene Wahrheit und Beifall ihrer jeweiligen Claqueure die Gemeinschaft unserer Kirche an die Wand zu fahren.
Es wäre vielleicht mal gut, sich wirklich hinzusetzen und ganz (ergebnis)offen - auf gleicher Augenhöhe - mal zu versuchen durch die Augen des jeweils anderen zu schauen.
Vielleicht könnten da die Eminenzen mal erkennen, dass die vielen Pfarrer die ja hinter dieser Initiative stehen in erster Linie einmal Pfarrer in ihrer Gemeinde (bewußt hier den Singular gewählt) sein möchten, Priester, die mit ihren mehr oder weniger übersichtlichen Gemeinden (mit den feurigen Christ/inn/en ebenso mit den Lauen und im Glauben Erkalteten, mit den Jungen und Alten, mit den bunten Vögeln ebenso wie mit den grauen Mäusen, mit den Hallelujaschlümpfen ebenso wie mit den sonntäglichen Pflichterfüllern) leben und ihnen in aller Schlichtheit des Alltagslebens den Glauben lebbar verkünden.
Und vielleicht würden die Pfarrer schon mal erkennen, dass ein Bischof und auch der Papst manche Situation viel umfassender möglicherweise erkennen kann, als man es selbst in den mehr oder weniger großen Lebenskreisen verhafteter kirchlicher Amtsträger tut. Und dass diese Verantwortung nicht nur die gegenwärtige Welt und ihre unmittelbare Befindlichkeit, sondern auch durch die Zeit hindurch reicht.
Und wenn man dann mal ausgiebig durch die jeweils anderen Augen geblickt hat, dann könnte man ja mal daran gehen, sich über das anerkennend auszutauschen - ohne Denkverbot (auch beiderseits natürlich) - ja - und dann könnte ich mir vorstellen, dass Lösungen gefunden werden, die sich nicht in unrealistischen Forderungen einerseits und salbungsvollen verbalen Nebelbomben andererseits ergehen, sondern handfest mit Zeitplan und auf breitester Basis realisiert werden ... Ich könnte mir vorstellen, dass bei einem solchen Prozedere auch mal der Hl. Geist sich durchspüren ließe - nicht nur für die Beteiligten sondern für die ganze Welt (wie man die immer auch definieren mag  :) ... )

Mittwoch, 29. Juni 2011

Heute ist gemeinsame Vorstandssitzung der drei Pfarrgemeinderäte

... nein - das Dokument der Pfarrerinitiative wird nicht von mir auf's Tapet gebracht. Aber wie soll es wirklich weitergehen? Ich muss mich noch glücklich schätzen in dieser Situation, da wir ein hervorragendes Seelsorgeteam von Sekräterin, ha. Diakon und Priester sind und einen Weg gefunden haben, unseren Dienst verantwortet zu gestalten. Aber wie wird es weitergehen - ich befürchte, dass der Generalvikar bald mit der vierten Pfarre daherkommen wird und ja, in den nächsten beiden Jahren werden weitere 8 Pfarren in meiner mittelbaren Umgebung vakant werden - wer soll sie leiten???
Und jetzt liebe Bischöfe - kommt mir ja nicht daher mit euren Modell der herumstravanzenden Gläubigen. Die werden nämlich nicht herumstravanzen (oder nur zu einem geringen Anteil) -
- wisst's was, manchmal kommen mir die kirchlichen Zentralisten in den Diözesanhöfen und in Rom vor wie jene neoliberalen Finanzzauberer, die zur Gewinnmaximierung der Shareholder Produktionsstätten auflassen, obwohl diese gute Wahre produzieren und Gewinne schreiben.

Ich bin dabei ...

... wenn auch nicht in allen Details (das mit dem Messen reduzieren bring ich für die Leut'  nicht wirklich über's Herz - und die obligatorische Fürbitte finde ich mit der Zeit öd ...) - oder besser - im Prinzip mach'  ich's eh schon - na eigentlich machen es alle meine Priesterbekannten - ob jetzt dabei bei der Pfarrerinitiative oder nicht - ach so - Darum geht's:
Die römische Verweigerung einer längst notwendigen Kirchenreform und die Untätigkeit der Bischöfe erlauben uns nicht nur, sondern sie zwingen uns, dem Gewissen zu folgen und selbständig tätig zu werden:
 
Wir Priester wollen künftig Zeichen setzen:
1 WIR WERDEN in Zukunft in jedem Gottesdienst eine Fürbitte um Kirchenreform sprechen. Wir nehmen das Bibelwort ernst: Bittet, und ihr werdet empfangen. Vor Gott gilt Redefreiheit.
2 WIR WERDEN gutwilligen Gläubigen grundsätzlich die Eucharistie nicht verweigern. Das gilt besonders für Geschieden-Wiederverheiratete, für Mitglieder anderer christlicher Kirchen und fallweise auch für Ausgetretene.
3 WIR WERDEN möglichst vermeiden, an Sonn- und Feiertagen mehrfach zu zelebrieren, oder durchreisende und ortsfremde Priester einzusetzen. Besser ein selbstgestalteter Wortgottesdienst als liturgische Gastspielreisen.
4 WIR WERDEN künftig einen Wortgottesdienst mit Kommunionspendung als "priesterlose Eucharistiefeier" ansehen und auch so nennen. So erfüllen wir die Sonntagspflicht in priesterarmer Zeit.
5 WIR WERDEN auch das Predigtverbot für kompetent ausgebildete Laien und Religionslehrerinnen missachten. Es ist gerade in schwerer Zeit notwendig, das Wort Gottes zu verkünden.
6 WIR WERDEN uns dafür einsetzen, dass jede Pfarre einen eigenen Vorsteher hat: Mann oder Frau, verheiratet oder unverheiratet, hauptamtlich oder nebenamtlich. Das aber nicht durch Pfarrzusammenlegungen, sondern durch ein neues Priesterbild.
7 WIR WERDEN deshalb jede Gelegenheit nützen, uns öffentlich für die Zulassung von Frauen und Verheirateten zum Priesteramt auszusprechen. Wir sehen in ihnen willkommene Kolleginnen und Kollegen im Amt der Seelsorge.

Im Übrigen sehen wir uns solidarisch mit jenen Kollegen, die wegen einer Eheschließung ihr Amt nicht mehr ausüben dürfen, aber auch mit jenen, die trotz einer Beziehung weiterhin ihren Dienst als Priester leisten. Beide Gruppen folgen mit ihrer Entscheidung ihrem Gewissen - wie ja auch wir mit unserem Protest. Wir sehen in ihnen ebenso wie im Papst und den Bischöfen "unsere Brüder". Was darüber hinaus ein "Mitbruder" sein soll, wissen wir nicht. Einer ist unser Meister - wir alle aber sind Brüder. "Und Schwestern" - sollte es unter Christinnen und Christen allerdings heißen. Dafür wollen wir aufstehen, dafür wollen wir eintreten, dafür wollen wir beten. Amen.

Dreifaltigkeitssonntag, 19. Juni 2011
Quelle: http://www.pfarrer-initiative.at

Na ja, Bischof Kapellari musste natürlich auch was dazu sagen - versteh'  schon, ist ja auch irgendwie sein Job - aber so richtig inhaltlich kann er mich nicht überzeugen: Na ja, sollte er selber das glauben, worauf er sich bezüglich der Fakten bezieht (obwohl er da relativ verwaschen bleibt - muss man ihm ehrlich auch zu Gute halten) - dann ist er geradezu mit Ahnungslosigkeit á la
 geschlagen.
Ach so - auch hier die entsprechende Referenz zum Nachlesen: http://www.kathpress.at/site/nachrichten/database/40178.html

Samstag, 9. April 2011

Justin Bieber/Tokio Hotel und der Papst

Wenn man so manches veröffentlichte Verhalten von sich selbst als 100%-ge Katholiken fühlende beobachtet, so habe ich den Eindruck, als hätten diese Idole und Verhaltensweisen ihrer Hochpubertät schlicht auf den Glauben übertragen:

  • Der Papst wird zum Idol, dessen Aussagen so aufgesogen werden wie neue Songs von Teeniestars
  • Leute, die diese Begeisterung so nicht teilen können, werden sofort als nicht dazugehörend identifiziert
  • man unterhält eine Menge von Fan-Medien deren einziger Zweck ist, sich selbst in ihrer Gruppenidentität zu stärken
  • Kritik am Idol wird mindestens mit Verachtung bestraft
  • Liste kann fortgesetzt werden ...

Ist mir nur so spontan beim Internetsurfen auf einschlägigen Seiten aufgefallen ...

Mittwoch, 30. März 2011

Oscar Romero braucht ein Wunder ...

... sein Martyrium zählt nicht wirklich, weil er ja von "gewissen Kreisen" vereinnahmt wurde. Dazu näheres hier - beim Escriva vom Opus Dei haben die polnischen Hofschranzen des vorigen Papstes kein Problem mit dessen Naheverhältnis zum spanischen Franco-Faschismus gehabt ...

Dienstag, 8. Februar 2011

Hurra, ich bin im Priesterrat ...

... na ja, Hurra ist vielleicht die falsche Reaktion; wie auch immer. Die Wahl war im September, möglicherweise haben einige Dekanate sich noch bis zum Oktober Zeit gelassen, aber bis jetzt wurde keine konstituierende Sitzung zur Welt gebracht. Ich frage mich nur: Was hält der Bischof oder Nachgeordnete von einem Gremium, dass sie nicht einberufen? (Übrigens vorher hatte ich Gremium mit einem K geschrieben: Kremium - ein lateinisch freudscher Verschreiber????)

Montag, 22. November 2010

Hurra - der Papst erlaubt Kondome!!!!

Also irgendwie nervt mich das ganze Getue um den "Arbeitsanzug für den Herrn in des Mannes Leibesmitte" schön langsam. Wen, außer einer Hand voll sich selbst als die einzig wahren Katholiken sich wähnende, kümmert sich wirklich noch um vatikanische Äußerungen zum Thema Sexualität und Empfängnisverhütung? Ich finde hier ist weder schaurig wohliges Skandalisieren angesagt ("der Papst fördert Aids") noch ein Hochjubeln einer im Grunde genommen hahnebüchenen Feststellung (wie es jetzt - reichlich unverstanden von der (ver)öffentlich(t)en Meinung -geschieht).

Ich bin nun sicher kein Spezialist in Sachen Moraltheologie, aber was die letzten beiden Päpste umtreibt ist die letztendlich die Frage nach der Wahrheit, und wie diese verstanden werden soll. Nicht vorgeben zu wollen, ein Experte zu sein, stelle ich mal in den Raum, dass vor allem Benedikt 16 eher stark von Platos Höhlengleichnis inspiriert zu sein scheint. Die Wahrheit liegt immer schon vor und ist grundsätzlich autonom vom Menschen erkennbar. So weit und so gut gehe ich da ja noch irgendwie mit, aber im Kirchendeutsch (oder Kirchenlatein) scheint es so zu sein, dass dem Papst auf dem Weg der Erkenntnis ein besonderer Vorsprung zugestanden wird (ordentliches und außerordentliches Lehramt - letzteres auch unter dem Begriff "Unfehlbarkeit" bekannt) - dieser Vorsprung wird aber nicht nur graduell verstanden sondern auch substantiell: sprich, der Papst stellt nicht nur etwas pointiert eine Erkenntnis zur Diskussion, sondern er beendet die Diskussion im Moment, wo er sein Lehramt wahrnimmt - dass einzige was dann noch überbleibt ist mehr oder weniger sophistisches Sprachspielen von Theologen - je abgehobener lehramtliche Verkündigung desto mehr Sophismus - bzw. unreflektiert devotes Nachbeten durch die schon oben erwähnten, sich als die einzig wahren Katholiken wähnenden.

Am liebsten wäre mir, wenn kirchliche Vertreter in den nächsten 20 Jahren sich ein Schweigen in Sachen Sexualität verordnen würden - zumindest wenn es um so praktische Dinge geht wie Kondome oder Pille. Unsere Glaubenstradition hat so großes und Wichtiges zu Ehe, Liebe und Sexualität zu sagen - ist es da notwendig, sich dann dauernd in Details zu verlieren ...?

Samstag, 7. August 2010

Laun an die Leine

Der Weihbischof von Salzburg (weiß Gott, wie der sich in diese Position antichambrieren konnte) ist scheinbar so unterbeschäftigt, dass er seine Kinderkrippentheologie (sogar Volksschüler sind im Normalfall schon reifer in ihrer Glaubensentwicklung) per Kath.net wortreichst regelmäßig sozusagen als Sau durch den Blätterwald treibt.
Seine letzte Vonsichlassung ist der Gipfelpunkt - natürlich eiert er in den ersten Absätzen mal rhetorisch herum - damit er immer sagen kann, dass er das ja eh nicht einen Kurzschluss zwischen den tragischen Ereignissen von Duisburg und einem strafenden Gott zieht - aber in der Folge haut er dann mit der Moralkeule zu.
Ob mir solche Veranstaltungen gefallen oder nicht - wir haben in unserer Kirche wichtigeres zu tun, als temporäre Spektakel einer Eventkultur mit falschen Etiketten negativ zu bewerten.Und so nebenbei. Als Bischof ist er nicht dazu da, Urteile - und seien sie noch so verwinkelt argumentiert - den Menschen um die Ohren zu schmeißen.
Im Übrigen: Es ist schon wieder negativ - und aus beständigem Kritisieren und Negieren kann nichts Positives erwachsen. Bei Laun sieht man tatsächlich, was Jesus von dem Baum und den Früchten sagt: Aus einem schlechten Baum können keine guten Früchte erwachsen.

Samstag, 3. April 2010

Die Missbrauchsdebatte - ein Lehrstück des Kampagnenjournalismus?

Ich bin natürlich kein Journalist - und mit meiner Schreibe würde ich es auch zu nichts bringen - aber irgendwann - war's in meiner Gymnasialzeit - habe ich mal gelernt, dass zu einem gut recherchierten Bericht folgendes gehört:
  • Was ist passiert?
  • Wer ist betroffen?
  • Wer hat etwas gemacht?
  • Wo ist es passiert?
  • - und last but not least in manchen Fällen (gerade wenn es sich um Serien - wovon auch immer - handelt): Wieviele Fälle liegen vor?
Jetzt mal ehrlich. Nach dem Aufdecken dessen, dass da etwas wiederholt geschehen ist, was nicht geschehen sollte, ist eigentlich nicht mehr all zu viel hinzugekommen. Das meiste ist letztendlich ziemlich wage. (Womit ich nicht die Tatsache des Geschehenen, aber wohl das unterstellte Ausmaß bezweifeln möchte). Es geistern irgendwelche Zahlen durch die Gegend, überall entspringen alle möglichen Interessensgruppen, jeder, der oder die sich nach einiger Zeit wieder in das Rampenlicht der Öffentlichkeit spielen möchte, gibt irgendwelchen Senf dazu - nach dem Motto: Keine Ahnung aber um so mehr Meinung. Jedenfalls scheinen sich eingige Medien darin zu ergehen - ja, worin denn - ach ja, ein und die selbe Suppe immer wieder aufzuwärmen, aufzugießen und das Gewäsch als Neuigkeit zu verkaufen. Möglicherweise gibt es einen Markt? Frage mich dabei eines: Hat der mit rotem Kopf und scheinheiliger Entrüstung, das alles sehr bunt sich vorstellende Leser, möglicherweise an der Sünde mehr Gefallen als der Täter?
Jedenfalls werde ich persönlich den Verdacht nicht los, dass dem Kurier und dem ORF die Missbrauchsgeschichten das Gleiche ist wie der Kronenzeitung die Asylanten - ein Gemisch von überschaubaren Fakten und um so größeren Resentiments als Tatsachen dem werten Medienkonsumenten dargelegt, der ja auch als spezifischer Kunde in seinen Bedürfnissen befriedigt werden möchte.
Es ist mir schon klar, dass Medienwirtschaft auch ein Markt ist und dass in der heutigen Zeit es gilt, zu überleben. Und es überlebt nur, wer letztlich das produziert, was der Kunde konsumieren möchte. Nur frage ich mich, wem das nun dienen soll? Der Wahrheit, der rechtsstaatlichen und demokratischen Kultur.
Ein weiteres:
Irgendwie bin ich so erzogen worden, dass ich gelernt habe, immer zu fragen, welche Intention hat jemand, wenn er/sie etwas sagt oder tut. Dabei bin ich durchaus auch kritisch mir gegegenüber aber auch anderen. Und vor allem habe ich mir ein "ja - aber" angewöhnt. Ist damit nicht immer leicht mir zu folgen, bewahrt mich aber meist davor, ungerechtfertigt und dummschwätzerisch irgendein Halbwissen als die letzte Weisheit zu verkaufen.
Und nun - eigentlich wie immer bei mir - zur Überschrift:
Ich denke tatsächlich, dass in erheblichem Maße kampagnisiert wird - und die perfideste Art, Kampagnen zu führen ist, wie schon oben angesprochen, immer wieder eine Melange an Fakten, Halbwissen und Ressentiments unter der Vorspiegelung einer unterstellten Objektivität auf den Markt zu werfen. Dabei werden semantische Fallen von Seiten der Journalisten aufgebaut, die sie weitestgehend jeder Kritik entziehen (nach dem Motto: Wer kritisiert ist selbst schon verdächtig) - und irgendwie werde ich das Gefühl nicht los, dass es diese Methoden schon zigmal gegeben hat ... Scheinbar erliegt die kommerziell schreibende Zunft immer wieder der Versuchung Wahrheit zu setzen, Wirklichkeit zu konstruieren als einfach nur über den Diskurs zu berichten.

Montag, 22. März 2010

Die Kirche soll zahlen ...

... aber wer ist denn nun das: Kirche? OK die einzelnen Diözesen sind Körperschaften öffentlichen Rechts (meines Wissens aber nicht die "Kirche von Österreich") - Ich weiß nur nicht: Sind wir im angelsächsischen Rechtsraum? Wie sieht überhaupt die Rechtslage in Österreich aus: Ist eine Körperschaft, Firma, Verein usw. usf. für das Vergehen einzelner ihrer Mitglieder haftbar. Und wenn man nun eine Haftbarkeit der Institution annehmen kann, besteht dann nicht wiederum ein Regressanspruch der Institution gegenüber dem Täter und weitergedacht allenfalls dem vertuschenden Vorgesetzten.

Kurz und gut - ich sehe einfach nicht ein, warum ich mit dem Mist einzelner mich herumschlagen muss. Und wenn schon von Gütern gesprochen wird: Unsere Pfarrkirche gehört sicher nicht der Diözese sondern einzig und allein unserer Pfarrgemeinde (und nicht dem Bischof oder dem Pfarrer oder sonst irgendjemand) - aber wie ist es so schön herrlich wenn Menschen mit jeder Menge Meinung aber Null Ahnung irgendwo auf Tastaturen herumdreschen und dabei auch noch die Möglichkeit haben, das Produkt ihrer Tastendrescherei auf einer grossen Rotationsdruckanlage 100 000fach ausdrucken zu lassen.

Ich denke, dass es Opfer und Täter gibt, und dass die Täter schlicht und ergreifend für ihr Vergehen zur Verantwortung gezogen und für allfällige Schadenersätze aufkommen werden müssen; allenfalls werden auch Vorgesetzte auch entsprechend zu haften haben. Aber grundsätzlich nochmal: Pauschalverurteilungen und Korporativstrafen sind meines Rechtsempfindens einfach nicht zulässig. Und wir wollen eines nicht vergessen: Urteile werden in Österreich noch immer von Gerichten gefällt und nicht von Zeitungsredaktionen und versammelten Leserbriefschreibern - weil das hatten wir ja auch schon mal, genau so wie das gesunde Volksempfinden u.ä. ....

Samstag, 20. März 2010

Warum geht es mir schlecht???

Seit die Missbrauchsgeschichten durch die Medien geistern geht es mir hundsmiserabel. Ich war ja mit vielem in unserer Mutter Kirche nicht einverstanden. Vieles - vor allem im Zusammenhang mit der Sexualmoral - sehe ich sicher etwas weiter und gelassener als es vatikanische Dokumente und deren Verfasser es sehen wollten. Vor allem ist es mir immer auch um eine positive Herangehensweise gegangen - wenn ich auch sagen muss, dass gerade der Bereich der Sexualmoral nicht das primäre Thema bei mir war und ist.

Aber bei allem Dissens war die Kirche doch ein Ort der Beheimatung, sah ich mich in einer großen Familie, mit deren verschiedenen Gliedern ich möglicherweise nicht immer gleich gut auskam, aber im großen und ganzen war es für mich in Ordnung. Vor allem deswegen, weil ich persönlich als Person respektiert wurde (und sicherlich immer noch werde), der man Vertrauen entgegenbringt. Aber in den letzten Wochen habe ich das erste Mal das Gefühl, dass dies gebrochen scheint. Nicht dass es da konkrete Anhaltspunkte gäbe, aber irgendwie ist alles was ich tue schal geworden.

Ich für meinen Teil lebe halt nun einmal nicht als isolierter geistlicher Held - nur zurückgebunden in die Gegenwart Gottes; ich lebe in einem kleinen Dorf, wo ich halt persönlich - zumal als ehelos lebender - auf die Gemeinschaft der Christinnen und Christen angewiesen bin. Dieses Leben in einer bunten - und möglicherweise nicht immer so entschieden frommen - Gemeinde hat mich ja vor Jahren dazu bewogen, meinen Priesterdienst gerade an einem der entlegeneren Orte in unserer Diözese zu verrichten anzustreben. Und irgendwie nehme ich jetzt halt wahr, dass - wie gesagt - alles ein wenig schal geworden ist. Zweideutigkeiten, dumme Scherze, sich begründen müssen, vor allem in der Art, wie man als doch einigermaßen vernünftiger und wahrhaftiger Mensch für diese Institution stehen kann (vor allem, wenn man selbst in einigen Punkten im offenen Dissens zu dieser steht - halte es nun eben eher in moralischen Fragen mit der autonomen Begründung moralischer Aussagen als mit der deontologischen).

Und in einer Zeit, in der Menschen ihre Lebenwirklichkeiten nun nicht mehr nur und auch nicht mal in erster Linie am Ort selbst sondern aus der massenmedialen Vermittlung vermittelt bekommen (was nun mal halt so ist), würde ich gerade von den Bischöfen und dem Papst wirklich hilfreiches Tun erwarten und nicht jene Hilflosigkeit zwischen abgenötigten Entschuldigungserklärungen und zu erwartenden verschriftlichten Ratzinger-Florilegien.

Donnerstag, 18. März 2010

Öffentliche Kirchenbuße

Mir ist gerade ein Gedanke gekommen. Der Wagen ist schon so was von verfahren, dass eigentlich nur noch ein Akt die Glaubwürdigkeit der katholischen Kirche als Künderin der Frohen Botschaft retten könnte:

Öffentliche Buße der Täter - im Sinne der älteren Bußpraxis (noch vor der iroschottischen Einführung der Ohrenbeichte praktiziert): Eintritt in eine offizielle Bußzeit im Rahmen eines Bußgottesdienstes in der Kathedralkirche - Sprechen des Schuldbekenntnisses (kann ritualisiert sein - es geht jetzt wirklich nicht um Details - aber die Taten sollen als solche benannt werden, das Verbrechen an den Opfern, aber auch die Versündigung am Evangelium und dessen Verkündigung o.ä.) - Proklamation der Buße durch den Vorsteher der Liturgie; Hinausgeleiten der Pönitenten ... - und nicht vergessen: die Opfer gehören dazu eingeladen.

So oder ähnlich könnte ich mir eine Bußliturgie vorstellen, welche eine adäquate liturgisch-theologische Antwort sein könnte.

Der Rückgriff auf eine zugegebenermaßen alte und auch harte Bußpraxis entspricht IMHO am ehesten dem Schaden, der hier einerseits den Opfern und andererseits dem Evangelium angetan wurde. 1000 gemaßregelte Theologen hätten dem Evangelium und dem Glauben nicht so schaden können, wie die letztendlich doch überschaubare Anzahl der Täter - einer ist schon zu viel (in der Tat sind es ja im Verhältnis zum Rest des Klerus ja doch ein eher kleiner Anteil) - es jetzt tatsächlich getan haben.

Wie man mit vertuschenden Diözesanleitungen verfahren soll? Ich würde hier mal den Arbeitstitel "Rücktritt" in den Raum stellen: Klar und öffentlich das eigene Versagen benennen und dann die Leitung in bewährtere Hände legen (möglicherweise wäre es ein Akt der Weisheit, vor den römischen Ämtern Leute durchzubringen, die tatsächlich authentische Autoritäten im Glauben sind, die noch dazu die nötigen Führungsqualitäten und Rückhalt in den Diözesen haben - also Wagner Gerhard aus Windischgarsten und ähnliche Erscheinungen - nicht mal dran denken).