Dienstag, 12. Mai 2009

Mein Dauerbrenner - Bildungspolitik

Weil es wieder durch den Blätterwald rauscht - diesmal ein paar Fragen:
  • Wer macht Schulreform?
    Die Lehrergewerkschaft? Die Ministerin? Die Zeitungen (allen voran der Kurier mit dem Salcher)? Die Professoren an den Pädagogischen Instituten an den Unis? Die Parteisekretariate? - Ganz egal: eines ist gewiss: Schulreform wird sicher nicht dort maßgeblich entwickelt, wo sie geschehen soll.
  • Was ist eigentlich das Ziel der "Schulreform"?
  • Hat sich überhaupt schon mal jemand gefragt, was überhaupt das Ziel der Institution Schule an sich ist?
  • Und um einen anderen Ausdruck hier einzubringen: Was ist Bildung? Und warum fällt so selten das Wort Bildung (ich unterstelle hier durchaus Absicht)?
Mehr will ich hier gar nicht beitragen - wer will, kann ja nach dem 26. Juli mit mir drüber diskutieren ...

Samstag, 9. Mai 2009

Es ist eine große Freude ...

... hier mitteilen zu dürfen (wer macht´s sonst?), dass die Erste-Hilfe-Gruppen aus Schönbach am Landesbewerb am Samstag, den 9. Mai 2009 wieder sehr erfolgreich waren:
So konnte die Goldgruppe den 3. Platz erreichen und die beiden Silbergruppen den 2. und 4. Platz. Somit sind alle Gruppen qualifiziert, am Bundesbewerb der Schulen in Kärnten teilzunehmen (by the way - das 10. mal; ich glaube, das hat keine Schule zusammengebracht). Bilder kann ich leider noch nicht liefern, ich hoffe, dass mir einige elektronisch zugesandt werden. Dann werde ich ein Album zusammenstellen.

Allen Schülerinnen und Schülern, den Trainern und Begleitern herzlichste Glückwünsche und ein Dankeschön für die vielen Mühen. Und als Gratulation meinerseits:

Freitag, 8. Mai 2009

Bildungsvergleiche - Rankings - und anderer Schlagzeilenunsinn / eine Neuauflage eines alten Beitrags

Schon im Herbst habe ich dazu geschrieben, aber angestoßen durch die gestrige Schlagzeile vom Ausstieg Österreichs aus dem CERN ist mir rein assoziativ noch mal ein anderer Gedanke gekommen.

Es herrscht immer wieder die Klage, dass gerade in Österreich (und auch in Deutschland) es keine Spitzenforschung gäbe. Dabei wird dann immer wieder das Schulsystem angeklagt. Ich persönlich bezweifle aber, dass dies eine Frage des Systems und der Struktur ist. Möglicherweise ist die Berichterstattung und die daran anschließende öffentliche bzw. auch politische Meinungsbildung selber ein Teil des Problems.

Ich versuche mal darzustellen, worin meines Dafürhaltens die Stärken des österreichischen Bildungssystems stecken:
  • Allgemeinbildung: Der so oft wegen seines Umfangs kritisierte Fächerkanon an österreichischen Schulen vermittelt bei aller Reformbedürftigkeit einen auf ein breites Spektrum angelegte Bildung. Wenn ich an meine Schüler/innen denke, dann haben sie Gelegenheit über Naturwissenschaften und Mathematik genau so viel zu erfahren wie über Geschichte, Geographie aber auch Musik und Kunstgeschichte ... - Schule nicht nur eine Kaderschmiede für bestimmte gerade als nützlich erkannter Bereiche, sondern auch eine Schule der Bildung in einem umfassenden, humboldt'schen Sinne.
  • Lebenspraktisch und Berufsorientiert: Ich weiß schon, da sind viele Gewerbetreibende und Industrielle möglicherweise anderer Überzeugung - aber im Vergleich stehen unsere Schulabgänger im Alter von 15 Jahren um vieles besser da, als jene in anderen Ländern. Was ich von meinen Schülerinnen und Schülern an meiner Hauptschule im Waldviertel erwarten kann, und was hier, das ist ein haushoher Unterschied. Schlicht und ergreifend, im angelsächsischen Schulsystem ist Lebenstüchtigkeit mit 15 so gut wie ausgeschlossen. Die Schüler/innen werden bis 18 im System gehalten, bekommen dann einen High-School Abschluss, mit dem sie so gut wie nichts anfangen können außer an einem College zu studieren - und hier gilt auch wieder: Wettbewerb ist alles - was ist aber mit jenen, die nicht 100% den Wettbewerbsregeln entsprechen können...
    Eine weiter Spezialität des österreichischen Bildungwesen sind die diversen Höheren Lehranstalten - besonders jene im technischen und im touristischen Bereich sind weltweit praktisch ohne Vergleich. 5 harte Jahre sind die Jugendlichen hier herausgefordert - aber am Ende stehen sie als Fachleute da, die im angelsächsischen Raum schon als Akademiker gelten würden (wären sie älter und würde das ganze College heißen und mit einem Backalaureat abschließen). Diese Spezialität im österreichischen Bildungswesen ist so einzigartig, dass es kaum möglich ist, sie Nichtösterreichern zu erklären - abgesehen davon, dass es praktisch mangels Korrelation unmöglich ist diesen Schultyp griffig in eine andere Sprache zu übersetzen.
  • Offen für außerschulisches Engagement: Gerade bis zum 14. Lebensjahr ermöglicht der an den meisten Schulen nur Vormittags stattfindende Unterricht den Kindern, sich auf breitere Weise auch außerhalb der Schule einzubringen (und wer nicht in eine HTL geht und in einem Internat leben muss, kann das unter der Woche sogar weiter pflegen). Was Kinder und Jugendliche hier in den einzelnen Gemeinden im Rahmen der Musikschulen, Musikvereine, Feuerwehr, Jungschar, Jugendrotkreuz u.ä. leisten, wird in der ganzen Bildungsdebatte viel zu wenig gewürdigt, ist aber nichts desto trotz herausragend. So nebenbei: würde eine ganztägige Beschulung von Kindern und Jugendlichen flächendeckend eingeführt, würde es im Bereich der ehrenamtlichen Arbeit in den Gemeinden über kurz oder lang zu gravierenden und wahrscheinlich nicht zum Besseren tendierenden Veränderungen kommen.
  • Jedenfalls meine ich, dass sich gerade an österreichischen Schulen eine humanistische Tradition erhalten konnte, die in vielen anderen Teilen der Welt möglicherweise nie in solcher Breite vorhanden war bzw. verschwunden ist.
So jetzt habe ich mal ziemlich viel geschrieben und werde es die nächsten Tage fortsetzen - vielleicht könnte ja der eine oder andere auch seinen Senf dazugeben, bzw. auch korrigieren, wo ich möglicherweise falsch liegen könnte ...

Österreich steigt aus dem CERN aus ...

... das musste ich heute im Kurier lesen. Minister Hahn schwätzt da etwas von einer Art Frontbegradigung. Ein Minister der ÖVP die keine Probleme hatte vor Jahren unnötiges Geld für Abfangjäger rauszuschmeißen, geizt auf einmal an im Vergleich zu eben angeführten Ausgaben lächerlichen 16 Mio. herum. Arm sind wir dran. Grundlagenforschung wird in unserem Land schon seit Jahren ausgehungert, dafür schwätzt immer von der so segensreichen angewandten Forschung.
Ich weiß, ich bin ein alter Idealist und Träumer, aber statt dem 110. Forschungsprojekt zur Umkehrung irgendeiner Andockstelle im Mitochondrium A zur Gewinnung eines - was weiß ich was - sprich statt der elendiglichen Erbsenzählerei für irgendwelche Firmen, hat Forschung für mich immer noch etwas mit Entdecken von GRUNDLEGENDEM zu tun. Und wenn sich nun die österreichische Forschung tatsächlich von der vordersten Front der Gewinnung von ERKENNTNIS zurückzieht, dann ist das schon mehr als ein Armutszeugnis - und bei den anstehenden Experimenten im CERN geht es um wirklich Grundlegendes: Woher kommt die Masse (Higgsfeld - und das korrespondierende Teilchen); was macht 20% der Masse des Universums - die Dunkle Materie -  aus (an die restlichen 70% mag man ja noch gar nicht denken - Stichwort Dunkle Energie) - es geht wirklich um die faust´sche Frage, was die Welt im innersten zusammenhält. Nur der Hahn sagt, lasst uns Erbsen zählen, weil das kann man viel besser verkaufen - nix gegen Krämer, aber das was eine Krämerseele ist, hat in der Forschungspolitik nix verloren. Also Gio - Krämer oder Wissenschaftsminister?
Wenn jetzt auf diesem Hintergrund auch noch Bildungsreform stattfindet - na pfiat di Gott, Humboldt, Kant, und Co. Es lebe die akademisch verbrämte Erbsenzählerei nach dem Bolognaprozess. Universität ade!

Mittwoch, 6. Mai 2009

Das Abendland ist NICHT in Christenhand ...

Auf einem Wahlplakat der FPÖ heißt es: Abendland in Christenhand / Tag der Abrechnung

Dazu ist mir folgendes eingefallen:

Die deutsch-jüdische Philosophin und Gelehrte Hannah Arendt hat angesichts des Eichmannprozesses von der "Banalität des Bösen" gesprochen. Nun kann man Strache und seine Entrage sicher (noch) nicht mit jenen Adepten des GRÖFAZ vergleichen, die den Holocaust zu verantworten hatten, aber andererseits könnte es wiederum sein, dass sozusagen nur die Gunst der Geschichte es ist, die erstere davor bewahrt, zu jenen "Bösen" zu werden, vor deren "Banalität" Hannah Arendt erschauderte.

Übrigens - die ins Positive gewendete Aussage der Überschrift ist: Die Menschen alle sind in Gottes liebender Hand - wer darauf vertraut, wer sich dessen gewiss ist und vor allem, wer aufrecht geht, der braucht mit nichts und niemand abzurechnen.

Dienstag, 5. Mai 2009

Fritz Muliar ist tot ...

... na ja, könnte ich mir sagen, ist traurig, aber du hast ja schon viele Menschen tot und einige auch sterben sehen - was ist das besondere nun daran.
Na ja, es machte mir seltsamerweise auch meine Vergänglichkeit wieder deutlicher bewusst. Fritz Muliar war so eine Gestalt, die durch mein Leben hindurch irgendwo präsent war. Nicht dass ich ein besonderer Verehrer gewesen wäre, aber er gehörte irgendwie zu meiner Alltagskultur (er tauchte immer wieder im Fernsehen auf, und seine Darstellungskunst hat mich schon irgendwie beeindruckt - sonst wäre er mir ja sowieso nicht aufgefallen) - und mit ihm ist ein solches Stück Alltagskultur wieder Vergangenheit geworden.
Ein Filmbeitrag (leider konnte ich ihn nicht einbinden)
Ich habe heute am Abend noch ein wenig Youtube durchsucht und so manche Szenen aufgerufen - im Zuge dessen habe ich auch ein paar Heinz Conrads Beiträge mir angesehen - nicht, dass solcherlei nun zum Massstab meines Kunstverständnisses würde, aber gerade wenn man sich so alte Videoclips ansieht, kommt irgendwie auch ein Stück des damaligen Lebensgefühls zurück. Im Übrigen habe ich auch ein paar Dradiwaberl- und Misthaufenclips angesehen ... es war schon eine etwas andere Zeit, auch wenn ich selber noch ein Kind war damals und vieles so eigentlich nicht direkt begriffen habe - aber indirekt dürften mich verschiedene Geisteshaltungen dann doch auch wieder mitgestaltet haben ...
Zum Drüberstreuen: Misthaufen - Schabernack

Montag, 4. Mai 2009

Dogmatik in der Politik

Eine Steuerdebatte ist ausgebrochen in unserer lieben netten Alpenrepublik. Ich möchte jetzt hier nicht über pro und contra mich auslassen, nur so viel sei einmal von meiner Warte aus gesagt: Es lassen sich für und gegen verschiedenste Arten von vermögensbezogene Steuern wohl durchdachte Argumente finden.

Was mich ein wenig irritiert, ist, wie die Granden der Volkspartei agieren: Dogmatisch klingende Aussagesätze ohne auch nur im geringsten auf die Argumentation des anderen einzugehen - ich weiß nicht - normalerweise machen das nur Leute, die mit ihrem Latein am Ende sind und nur noch als letzten Strohhalm auf das Argument eigener Autorität setzen (so nach dem Motto: Ich bin der Vizekanzler und verbiete jede weitere Diskussion - ja warum - ja, weil wir haben da ein Dogma - interessiert wahrscheinlich eh keinen mehr - aber als Parteiobmann muss ich für die reine Lehre stehen. Irgendwie erinnert mich das an so manche Personen in einer ganz anderen Institution ...)