Samstag, 6. Juni 2009

Das "Ausländerproblem"

Eigentlich hatte ich hier etwas anderes vor, und hatte auch schon eine Phillipika gegen die FPÖ fast fertig, habe es dann aber doch wieder gelöscht - weil - "Aus beständiger Negation kann nichts positives erwachsen".

Ich möchte aber trotzdem ein Kapitel des derzeitigen Wahlkampfes bzw. auch einiger Verwaltungsmaßnahmen des Innenministeriums in Ausänderangelegenheiten (und die mir immer auf's neue schon etwas eigenartig anmutenden Stellungnahmen unserer Innenministerin) zum Anlass nehmen, etwas gundlegender auf einen Umstand aufmerksam zu machen.

Ausländerpolitik, Integration, Zuwanderung werden in der österreichischen Innenpolitik prinzipiell als "Problem" abgehandelt. Verschiedene politische Akteure schlagen mehr oder weniger offensichtlich politisches Kleingeld, indem sie die Frage der Ausländer grundsätzlich problematisieren und somit allfällige Ordnungs- und Nachbarschaftsangelegenheiten zu grundlegend politischen Fragen hochpeitschen. Was aber alle (bis auf die Grünen und einige hellsichtigere Köpfe in Wirtschaft und Wissenschaft) übersehen, ist, dass gerade das lautstarke Auftreten schreiender Ausländerfeinde gerade das antriggert, wogegen diese Leute eigentlich auftreten.

Man möge verzeihen, dass das jetzt etwas jovenistisch klingen mag: Aber gerade dieses Geschrei und der generelle Umgang mit Ausländern in Österreich hält gerade jene ab, in unser Land zu kommen, die z.B. die eigentlichen Leistungsträger in jenen Ländern sind, die im Bereich der Wissenschaft und Technologie uns gewaltig voran sind. Man vergleiche doch nur den Personalstand amerikanischer/kanadischer Unis mit jenen in Österreich. Jede Menge Inder, Chinesen - ja sogar Österreicher und Deutsche.

Und wenn ich dann auch mitbekomme, dass teilweise hoch qualifizierte ausländische Arbeitskräfte, die aus welchen Gründen auch immer bei uns im Land angekommen sind, herumgemobbt, angefeindet, marginalisiert werden, dann darf man sich nicht wundern, dass gerade jene Qualifizierten einen großen Bogen um unser Land machen. Das mag derzeit einige auf Wirtshaustischen bierdunstgeschwängerte HC-Schreier bei Parteitagen besagter FPÖ ziemlich egal sein, aber dass sich eine Innenministerin ÖVP auf nur graduell kultiviertere Art zur Erfüllungsgehilfin ersterer macht, verblüfft mich zumindest mal.

Angesagt ist jetzt wirklich eine aktive Ausländerpolitik. Unser Problem wird in ein paar Jahren (und damit meine ich unter 10 Jahre) ein absoluter Mangel gerade an qualifizierten Fachkräften sein. Und der Herausforderungen der nächsten Jahrzehnte sind sich leider die meisten jungen Leute nicht mal in unserem Land heute bewusst. Naturwissenschaften einerseits aber auch Social Skills, gepaart dann noch mit einer fundierten Allgemeinbildung werden gefordert sein. Facharbeiter werden sich klar zu sein haben, dass eine Fremdsprache für das Vorankommen in einer sich immer schneller drehenden Welt ein unbedingtes Must sein wird.

Und da ist der Ungeist paranoiden Abschottens, wie er allenthalben sich durch bierdunstgeschwängerte Parteitage und Kundgebungen sich äußert, wirklich jener Ungeist, der letztlich unsere jetzt so prosperierende Republik auf das Abstellgleis bringen wird. - Apropos Abstellgleis: am Ende eine Abstellgleises steht immer ein Prellbock. Manchmal habe ich den Eindruck, dass viele Menschen in unserem Lande alles daran setzen, den Zug unseres Landes Österreich auf einen solchen mit voller Wucht auffahren lassen zu wollen.

Natürlich muss ich eines zugeben: Das Tempo der Wandels in der heutigen Zeit ist natürlich atemberaubend - und wenn man jenes letzte Eigenschaftswort wörtlich auffasst, dann kann einem da schon mal die Luft ausgehen. Um so wichtiger ist es, tatsächlich den Wandel zu steuern und das kann man nur, wenn man wirklich mit Vernunft den Zug steuert, danach trachtet, dass die die besten Leute an Bord kommen und an Bord bleiben. Und das werden sie, wenn der Zug auf ein attraktives Ziel zusteuert, wenn nette Leute im Zug drinnen sind, die alle mit von der Partie sind. Wir müssen nur aufpassen, dass jene finstere Gestalten nicht das Heft übernehmen, die mit aller Gewalt ihren Heidenspass daran haben, den Zug mit voller Kraft auf den Prellbock des nächstbesten Abstellgleises auffahren zu lassen.

Der Weg, so denke ich, führt über eine positive Sprache. Es sollten alle politischen Kräfte im Lande mal wirklich mit positiven Worten ein Monat lang ihre jeweiligen Politiken verfolgen (ich weiß schon, von welchen Leuten man dann bald nix hören wird ...), ohne Ausgrenzung, ohne auf andere hinzupecken, ohne andere schlecht zu machen. So wie bei einem Hürdenlauf - wer den anderen anrempelt, ist disqualifiziert. Möge der/die beste gewinnen.

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