Samstag, 6. März 2010

Missbrauch in der Kirche und der Umgang damit

Hilfe - unsere katholischen Oberen sind hilflos!!! Kein Tag vergeht ohne neue ungustiöse Enthüllungen.
Einmal gleich vorweg: Ich möchte mich hier nicht in Zahlenspielen ergehen, irgendjemand exculpieren, auch nicht einstimmen in das Gejammere, dass der Zölibat an der ganzen Misere schuld sei, und und und. Ich möchte vielmehr einen Aspekt hier anreißen, der weder innerkirchlich noch außerhalb der selben zur Sprache kommt.
Es betrifft den generellen Umgang mit Führung.
Nach außen hin erscheint die Kirche als eine streng hierarchische Organisation. Gegliedert vom Papst abwärts bis zur Pfarrsekretärin. Innerhalb dieser Hierarchie stehen die geweihten Mitglieder der selben noch einmal in einem ganz speziellen Gehorsamsverhältnis zu der jeweils übergeordneten Instanz. Das ist aber wohlgemerk nur die Außenansicht. Von Innen sieht das schon mal ganz anders aus. Da ist auf alle Fälle einmal eines wichtig: ist ein Regelverstoß öffentlich oder nicht - und wenn öffentlich - wie weite Kreise zieht dieser - ja - und welcher Art ist dieser. Ist es ein theologisches Buch, oder beschimpft der Pfarrer öffentlich (möglicherweise mit Fundamentum in re) Bischöfe oder Papst, hat der Pfarrer ein Kind, oder die Pastoralassistentin ein Uneheliches? usw. usf. - Jedenfalls werden die meiste Zeit die Instanzen erst relativ spät aktiv und reagieren meist inadäquat. Auf Verfasser theologischer Bücher wird meist mit der geballten Ladung vatikanisch-theologischer Halbbildung losgegangen, Pfarrer werden versetzt, die Pastoralassistentin möglicherweise gekündigt. Vor allem aber: es wird - meist zu spät und nicht der Sache entsprechend reagiert.
Führen heißt aber nicht in erster Linie reagieren, sondern agieren.
Es ist aber vor allem in der "Unterhierarchie" der geweihten Amtsträger in der Kirche keinerlei Führungsstruktur erkennbar, die einen solchen Namen auch verdient. Die einzige mit juristischer Kompetenz ausgestattete Führungskraft, die am Papier als solche auch ausgewiesen ist, ist der Diözesanbischof. Unter dieser Ebene gibt es so gut wie gar nichts. Die Führungskompetenz eines Pfarrers ist - sagen wir mal so - enden wollend (außer seinen Pfarrgemeinderat kann er eigentlich nichts und niemand führen - ja - und eigentlich braucht er es auch gar nicht - schon gar nicht dazu, um die Leute mit irgendwelchen Spitzfindigkeiten und schlechten Predigten zu quälen). Nur eines ist auch Tatsache: eine Führungskraft kann bitte nicht 400 Leute (oder mehr) aktiv führen.
Ich plädiere, dass die Institution des Dechanten gestärkt wird - im Sinne einer wirklichen pastoral geistlichen Führungskraft innerhalb einer Region. Jemand, der Vollzeit damit beschäftigt ist, jemand, der sich auch darum aktiv bewerben kann. Jemand, der vor seinen "Geführten" und seiner nächsthöheren Instanz (das wäre dann die aktive Führungskompetenz des Bischofs) Rechenschaft ablegen muss und in einem beständigen Dialogprozess mit allen steht.
Eine solche Führungskraft sollte viel schneller und vor allem effizienter reagieren können, wenn ernsthafte Verstöße vorliegen. Eigentlich habe ich die - vielleicht naive - Vorstellung, dass in einem gut geführten Dekanat mit einem motivierten Team seelsorglicher Mitarbeiter/innen wirklich eklatante Regelverstöße nicht mehr vorkommen.
Aber leider stoßen diese meine Ideen (sind ja eigentlich auch nicht von mir) nur auf taube Ohren .... - und so bleiben wieder: Hilflose Bischöfe hilflos um Entschuldigungsworte ringend Pressekonferenzen gebend.

1 Kommentar:

Gespräche am Jakobsbrunnen hat gesagt…

Also ich finde die Idee, die untere Führungsebene zu stärken, echt gut, aber konkret: wie?!
Ich schau mal in mein Dekanat: 4 Priester, 1 über 70, 1 wird 70, 2 nicht ganz 50. Über 70 scheiden sie so wie so aus, die beiden anderen sind jetzt schon mit je 3 Pfarren überlastet. Also: wer soll sich das Dekanat auch noch aufhalsen?
Die Idee, einen Fulltime-Job daraus zu machen, ist nicht schlecht, aber wer soll das machen? Derweil sind die Dechanten immer Priester, also wer soll dafür freigestellt werden?
Oder wäre es denkbar, dass die Dekanatsleitung in die Hand eines Laien geht?! Und wenn ja: angenommen, es werden solche Vorwürfe mit Kindesmissbrauch laut; welcher Laie traut sich jetzt zu einem Priester zu gehen und zu fragen: "Missbrauchen Sie Kinder?" Ähm, denke das traut sich nicht mal der Bischof.
Also nach wie vor, ich sehe es auch so, dass die Dechanten gestärkt gehören - aber ich sehe kein Licht am Ende des Tunnels: wer/wie?