Samstag, 20. März 2010

Warum geht es mir schlecht???

Seit die Missbrauchsgeschichten durch die Medien geistern geht es mir hundsmiserabel. Ich war ja mit vielem in unserer Mutter Kirche nicht einverstanden. Vieles - vor allem im Zusammenhang mit der Sexualmoral - sehe ich sicher etwas weiter und gelassener als es vatikanische Dokumente und deren Verfasser es sehen wollten. Vor allem ist es mir immer auch um eine positive Herangehensweise gegangen - wenn ich auch sagen muss, dass gerade der Bereich der Sexualmoral nicht das primäre Thema bei mir war und ist.

Aber bei allem Dissens war die Kirche doch ein Ort der Beheimatung, sah ich mich in einer großen Familie, mit deren verschiedenen Gliedern ich möglicherweise nicht immer gleich gut auskam, aber im großen und ganzen war es für mich in Ordnung. Vor allem deswegen, weil ich persönlich als Person respektiert wurde (und sicherlich immer noch werde), der man Vertrauen entgegenbringt. Aber in den letzten Wochen habe ich das erste Mal das Gefühl, dass dies gebrochen scheint. Nicht dass es da konkrete Anhaltspunkte gäbe, aber irgendwie ist alles was ich tue schal geworden.

Ich für meinen Teil lebe halt nun einmal nicht als isolierter geistlicher Held - nur zurückgebunden in die Gegenwart Gottes; ich lebe in einem kleinen Dorf, wo ich halt persönlich - zumal als ehelos lebender - auf die Gemeinschaft der Christinnen und Christen angewiesen bin. Dieses Leben in einer bunten - und möglicherweise nicht immer so entschieden frommen - Gemeinde hat mich ja vor Jahren dazu bewogen, meinen Priesterdienst gerade an einem der entlegeneren Orte in unserer Diözese zu verrichten anzustreben. Und irgendwie nehme ich jetzt halt wahr, dass - wie gesagt - alles ein wenig schal geworden ist. Zweideutigkeiten, dumme Scherze, sich begründen müssen, vor allem in der Art, wie man als doch einigermaßen vernünftiger und wahrhaftiger Mensch für diese Institution stehen kann (vor allem, wenn man selbst in einigen Punkten im offenen Dissens zu dieser steht - halte es nun eben eher in moralischen Fragen mit der autonomen Begründung moralischer Aussagen als mit der deontologischen).

Und in einer Zeit, in der Menschen ihre Lebenwirklichkeiten nun nicht mehr nur und auch nicht mal in erster Linie am Ort selbst sondern aus der massenmedialen Vermittlung vermittelt bekommen (was nun mal halt so ist), würde ich gerade von den Bischöfen und dem Papst wirklich hilfreiches Tun erwarten und nicht jene Hilflosigkeit zwischen abgenötigten Entschuldigungserklärungen und zu erwartenden verschriftlichten Ratzinger-Florilegien.

Kommentare:

Paul Miller hat gesagt…

Lieber Pfarrer Gruber,

Das öffentliche Blosslegen einer so persönlichen, tief spirituellen, ethischen, sozialen und beruflichen Krise, ist sehr mutig.

Nachdem Sie öffentlich darüber schrieben, bin ich so frei und versuche mal eine hoffentlich ermutigende Perspektive zu geben.

Ich bin der festen Überzeugung, dass jede Pfarrgemeinde den Priester hat, den sie verdient. Und jeder Laie ist aufgerufen, Gott zu lieben und den Priester zu verehren. Wie Katherina von Siena schreibt: "Ich will nicht, daß man den Priestern die schuldige Ehrerbietung vorenthält, denn die Ehrerbietung und die Achtung, die man ihnen bezeugt, ist nicht für sie bestimmt, sondern für Mich, kraft des Blutes, das ich ihrer Verwaltung anvertraut habe. Wenn nicht darin der Grund bestünde, so hätte man ihnen dieselbe Ehrerbietung zu bezeugen wie den Laien, und nicht mehr... Man darf sie nicht beleidigen, sonst werde ich beleidigt und nicht sie. Deshalb habe ich es verboten, und deshalb habe ich angeordnet, nicht zuzulassen, daß man meine Gesalbten anrührt" (Katharina von Siena, Das Gespräch, Kap. 116; vgl. Ps 104,15).

Erlauben Sie mir von dieser Warte eine Beobachtung Ihrer Beschreibung von Lebenswirklichkeit als rein medial vermittelt: Lebenswirklichkeit entfaltet sich erstens sehr wohl mit den Menschen der Pfarrei vor Ort, und zweitens im aktiven Sinne (also nicht wie in den Medien passiven).

Ist es nicht so, dass Ihre eigene Lebenswirklichkeit eben gerade NICHT vorrangig medial vermittelt wird, und auch nicht die der Gemeinde? Sie schreiben ja aus gutem Grund genau so über Ihre Pfarre. Mehr noch, dass diese Lebenswirklichkeit eben entweder näher oder ferner von Gott sein kann, und andere zu Gott bringen kann oder nicht?

Und Mittelpunkt dieser Lebenswirklichkeit ist die Heilige Messe. Hier unterwerfen sich aktive und passive Wirklichkeit der göttlichen Opfergabe.

"Der Priester, der die heilige Messe so lebt - anbetend, sühnend, bittend, dankend, eins geworden mit Christus und der die Gläubigen lehrt, aus dem heiligen Opfer die Mitte und Wurzel des christlichen Lebens zu machen, bezeugt damit die unvergleichliche Würde der Berufung zum Priestertum, das unauslöschliche Prägemal, das einen Menschen zum Priester auf ewig macht.

Ich weiß, daß ihr mich versteht, wenn ich euch sage, daß neben einem solchen Priester das Verhalten mancher anderer, die sich so geben, als ob sie sich wegen ihres Priesterseins entschuldigen müßten, sowohl vom Menschlichen wie vom Glauben her als ein Versagen erscheint. Es ist wirklich schade, denn diese Haltung führt sie dazu, ihr Dienstamt zu vernachlässigen, die Laien partout nachzuahmen und sich eine Nebenbeschäftigung zu suchen, die allmählich ihre ureigene Aufgabe, durch Berufung und Sendung übertragen, verdrängt. Oft neigen sie dazu, die Arbeit der Seelsorge, vor der sie fliehen, durch Einmischung in Bereiche, die Sache der Laien sind - gesellschaftliche Initiativen, Politik usw. - zu ersetzen: so entsteht der Klerikalismus, die pathologische Deformation der wahren priesterlichen Aufgabe."
St Josemaria Escriva, "Der ewige Priester" - Quelle: http://de.escrivaworks.org/book/amar_iglesia-kapitel-3.htm

Anonym hat gesagt…

Lieber Dorfpfaff,

entspann dich, der Hirtenbrief, den der Papst heute an die Schwestern und Brüder in Irland geschrieben hat, ist eine neue, offene, freie Welt! Soviel Klarheit, Kraft und wirkliches Verständnis, ganz ohne Herumeiern hätte ich mir in meinen kühnsten Träumen nicht erhofft.
Lies mal hier: http://kath.net/detail.php?id=26070

Liebe Grüße
Zoe aus katholonland